Tolle Idee aus Norddeutschland

Wedel hat jetzt Straßenschilder für Sehbehinderte

© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo tba

18. Dezember 2019 - 8:26 Uhr

Kleine Schildchen an üblichen Masten

Was für eine schöne Idee: Die Stadt Wedel in Schleswig-Holstein will im ganzen Stadtgebiet Straßenschilder für Sehbehinderte anbringen. Die kleinen Schildchen sehen ein wenig aus wie Bauklötze und sind an den üblichen Straßenschild-Masten montiert. Die Aufschrift ist so platziert, dass sie sich auf Handhöhe ganz einfach erfühlen lässt.

Schilder sind auch für Rollstuhlfahrer besonders geeignet

Die Schilder sind blau mit weißer Schrift, die Buchstaben heben sich reliefartig vom Untergrund ab. In einer Höhe von ca. 1,40 Metern lässt sich die Schrift so optimal ertasten.

Neben dem Namen ist bei besonders langen Straßen auch noch ein Richtungspfeil auf dem Schild, um den Verlauf der Straße anzuzeigen.

Die Namen stehen in Normschrift darauf - man habe bewusst auf die Blindenschrift Braille verzichtet, da nur noch zehn Prozent der Betroffenen die Schrift beherrschen würden. Außerdem könnten so auch Rollstuhlfahrer die Schilder optimal lesen, erklärte der Initiator der Aktion, Volker König.

Idee hatte 75 Jahre alter Wedeler - er ist selbst blind

06.12.2019, Schleswig-Holstein, Wedel: Volker König, Erfinder von Hilfsmitteln für Behinderte, steht an einem Straßenschild, an dessen Mast ein zusätzliches kleines Schild für Sehbehinderte hängt. Die Stadt Wedel in Schleswig-Holstein will als erste
Der Wedeler Volker König hatte die Idee für die neuen Straßenschilder - er ist selbst blind.
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Der 75 Jahre alte Ingenieur der physikalischen Technik ist seit 50 Jahren blind. Und seit vielen Jahrzehnten erfindet er in seiner Freizeit Hilfsmittel für Behinderte. Die Straßenschilder sind sein neuester Coup. "Sie sind klein, stören keine anderen Verkehrsteilnehmer und können auch von Rollstuhlfahrern gut gelesen werden", sagte König über die weiteren Vorteile der Alu-Schilder. Auf Reisen sei er nämlich sonst immer auf seine Frau Marie Luise angewiesen, die ihn bei alltäglichen Aufgaben unterstützt.

Erste Stadt in Deutschland mit Schildern dieser Art

Bis Januar sollen 370 der Schilder hängen. Wedel ist damit die erste Stadt in Deutschland, die alle ihre Straßenschilder behindertenfreundlich macht. Das Projekt kostet ca. 50.000 Euro und wurde mit Spenden und Fördermitteln finanziert.