Wasserwirtschaft fordert: Schluss mit dem Wassersparen!

30. Juli 2014 - 8:40 Uhr

Negative Effekte des Wassersparens

Beim Wassersparen sind die Deutschen Weltmeister. In fast keinem anderen Industriestaat wird so wenig Wasser pro Person verbraucht wie hierzulande. Das klingt auf den ersten Blick erfreulich und nützt doch niemandem.

Stopp mit dem Wassersparen!
Trotz sinkendem Wasserverbrauch könnte der Wasserpreis deutlich steigen.
© picture-alliance/ dpa, Maxppp Jean Francois Frey

Deutschland ist ein extrem wasserreiches Land: Etwa 83 Prozent des Wasserangebotes werden jedes Jahr, laut Berechnungen des Bundesverbandes der Energie und Wasserwirtschaft (bdew), gar nicht genutzt. Unsere Wasserressourcen sind also bei weitem nicht ausgenutzt. Trotzdem wird Kindern in Deutschland von klein auf das Wassersparen als Pflicht jedes umweltbewussten Bürgers beigebracht. Neue wassersparende Geräte in nahezu jedem Haushalt tun ihr Übriges. Im Zeitraum von 1990 bis 2011 sank der personenbezogene Wasserverbrauch, nach Daten des bdew, um 17 Prozent.

Doch der gesunkene Wasserverbrauch nutzt niemandem etwas. Denn von dem Wasser, das wir hier sparen, können die Menschen in trockenen Gebieten der Erde nicht versorgt werden. Von einer "romantischen Unkenntnis", spricht Michael Pützhofen von den Stadtwerken Düsseldorf, wenn Verbraucher glauben ihr Sparen sichere die Wasserversorgung von Menschen auf anderen Kontinenten. Denn transkontinentale Transporte von Trinkwasser sind bis dato praktisch nicht durchführbar. Den durstigen Kindern in Entwicklungsländern ist mit unserem Wassersparen nicht geholfen.

Probleme in der Kanalisation

Und auch vor Ort in Deutschland birgt der sinkende Verbrauch negative Effekte. Weil die Kanalisation immer weniger durchflutet wird, lagern sich dort Sand, Schlamm, Toilettenpapier und Hygieneartikel ab und verstopfen die Kanäle. Um das zu verhindern, spülen die Betreiber große Mengen Trinkwasser durch die Kanäle.

Die Kosten dafür werden auf alle Verbraucher umgelegt. "So paradox es klingt, je weniger Wasser genutzt wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Wasserpreis tendenziell steigt", erklärt Thomas Flinth von den kommunalen Wasserwerken Leipzig. Trotz sinkendem Wasserverbrauch könnte es aufgrund der hohen Fixkosten für die Verbraucher in Zukunft teurer werden.

Steigen die Preise jedoch weiter an, werden die Verbraucher künftig vermutlich noch mehr Wassersparen, um eine teure Rechnung zu vermeiden. Ändern könnte das eine grundlegende Umstellung des Bezahlmodells der Wasserversorger. Anstatt jeden verbrauchten Kubikmeter zu berechnen, könnten die Versorger ˈWasserflatratesˈ mit ihren Kunden abschließen. Für einen festen Betrag kann der Kunde dann beliebig viel Wasser verbrauchen und der Gesamtverbrauch stiege automatisch an. Pützhofen von den Stadtwerken Düsseldorf lehnt eine solche Lösung jedoch ab: "Wasser verbrauchen ja, aber auch nicht Verschwenden", lautet seine Devise. Stattdessen fordert er die Verbraucher auf: "Hört endlich auf krampfhaft Wasser zu sparen!", denn man sei an einer Grenze angekommen an der man aufpassen müsse. Keiner müsse ein schlechtes Gewissen haben, beim Zähneputzen den Wasserhahn oder beim Einseifen die Dusche laufen zu lassen.

Viel wichtiger ist das Sparen beim warmen Wasser: Denn die Erhitzung verbraucht zusätzlich Energie. "Sparen Sie beim warmen Wasser – das hat den größten Effekt für die Umwelt", rät die Wasserexpertin des Umweltbundesamtes Dr. Ingrid Chorus.

Sie verweist auch auf ein Wassersparen ganz anderer Art: Beim Kauf von Produkten aus wasserarmen Regionen ist den Konsumenten oft nicht klar, wie viele Liter Wasser dafür verbraucht wurden. "Für Lebensmittel gilt daher: bei saisonalen und vor allem bei regionalen Produkten ist es weniger wahrscheinlich, dass ihre Herstellung anderswo zu Wasserknappheit führt", erklärt Chorus.