"Barber Angels"

Waschen, schneiden, wohlfühlen: Diese Friseure zaubern Obdachlosen ein Lächeln ins Gesicht

20. April 2019 - 9:56 Uhr

von Lauren Ramoser

Sie tragen schwarze Kutten und sehen aus wie ganz harte Jungs - aber sie haben ein weiches Herz. Einmal im Monat schlagen die Friseure der "Barber Angels" ihren mobilen Salon auf, immer in einer anderen Stadt. In sozialen Einrichtungen oder einfach auf der Straße frisieren sie dann Obdachlose und Bedürftige. Und zwar kostenfrei, bisher bei über 20.000 Menschen. Pünktlich zu ihrem zweijährigen Jubiläum steht ihnen ihr größter Einsatz bevor. 

"Die Kutten sollen einfach die Hemmschwelle nehmen"

Mit einer Motorradgang haben sie nichts zu tun, erklärt Pressesprecherin Gaby Günther. Die "Barber Angels Brotherhood" ist eine soziale Organisation, die Bedürftigen kostenlos die Haare macht. "Die Kutten sollen einfach die Hemmschwelle nehmen, weil wir mit den Menschen auf Augenhöhe sein wollen. Aber 99 Prozent unserer 'Barber Angels' können gerade mal Fahrrad fahren", sagt sie lachend.

Fehlende Waschhauben sind das größte Problem

Der "Barber Angel" wäscht die Haare des obdachlosen Menschen unter der Waschhaube.
Mit den medizinischen Waschhauben können die Friseure auch draußen Haare "waschen".
© Viola Hedtke Decker

Wenn die Haare schneidenden Engel am Vorabend zu einem neuen Einsatz zusammenkommen, sei die Stimmung aufgekratzt, erzählt Gaby Günther. "Aber am Abend nach dem Event ist es in der Unterkunft immer ganz leise, das muss jeder erst mal für sich verarbeiten."

Denn für viele Menschen ist es die erste Haarwäsche oder der erste Schnitt seit vielen Jahren - Berührungsängste dürfen die Friseure keine haben. Sie arbeiten an diesen Tagen ehrenamtlich und finanzieren die nötige Ausrüstung aus Produktspenden und Mitgliedsbeiträgen. Ohne Spenden sind aber vor allem die medizinischen Waschhauben kaum zu bezahlen.

"Wir haben ja meistens keine sanitären Einrichtungen vor Ort", erklärt Günther. "Und damit wir Haare waschen können, brauchen wir die Waschhauben. Unter denen kann man ganz toll einmassieren und danach duften die Haare super, sind sauber und können geschnitten werden."

Mittlerweile gibt es fast 300 Barber Angels

Rund 300 Mitglieder zählt die "Barber Angels Brotherhood".
Fast alle Mitglieder sind beim großen "Barber Angels"-Treffen zusammengekommen.
© Ulrich Kolb

Friseur Claus Niedermaier hat den Verein vor genau zwei Jahren gegründet und ist stolz auf seine Barber Angels: "Meine Mitglieder sind für mich alles Helden!" Die bisherigen Einsätze zeigen, dass die Aufgabe der Friseure nicht immer leicht ist.

Der bisher schwierigste Einsatz war auf Mallorca – als sich die beliebte Urlaubsinsel von ihrer dunklen Seite gezeigt hat. "Also, da haben selbst unsere härtesten Kerle geweint, wenn da ein kleines Mädchen sitzt, das den ganzen Tag noch nichts gegessen hat", erinnert sich Günther.

Ihr bisher größter Einsatz steht jetzt an

Zum Fußballverein Hannover 96 reisen die "Barber Angels" mit rund 60 Friseuren an und schneiden und waschen vom 7. bis zum 9. Dezember im Stadion und an drei weiteren Einsatzorten in Salzgitter, Wolfsburg und im HCC Hannover - über 3.000 Bedürftige sind angekündigt. "Ob wir das schaffen, weiß ich nicht. Aber wir schneiden, so viel wir schaffen", gibt sich Günther kämpferisch.

Die "Barber Angels Brotherhood e.V." ist auf Spenden angewiesen, sucht aber vor allem neue Mitglieder, damit es nachhaltige Aktionen geben kann. Alle drei Monate nach einem Großevent frisieren die "Barber Angels" mit lokalen Friseuren zunächst als Gast-"Angels" weiter, die Hilfe ist langfristig geplant - interessierte Friseure finden weiterführende Informationen auf der Homepage der "Barber Angels".