Was ist der Islamische Staat und wer sind die brutalen IS-Kämpfer?

IS weiß um die verstörende Macht der Abschreckung

Die Terrorgruppe Islamischer Staat profitiert vom Bürgerkrieg in Syrien und rekrutiert ihre Anhänger auch aus der massiven Unterdrückung der Sunniten durch die schiitische Regierung im Irak. Scheinbar unaufhaltsam stoßen die Islamisten immer weiter vor und haben inzwischen große Teile Syriens und des Irak unter ihre Kontrolle gebracht. Doch wer steckt hinter der Vereinigung, wie konnte sie eine solche Machtfülle erhalten und was macht den IS so gefährlich?

IS
In dem IS-Kalifat droht Gegnern die Todesstrafe.
dpa, Handout

Die Organisation 'Islamischer Staat im Irak und Syrien' (ISIS) schart inzwischen mehr als 10.000 Extremisten um sich, die unglaublich brutal gegen ihre Gegner vorgehen - auch, weil sie um die verstörende Macht der Abschreckung wissen. So geistern immer wieder Bilder von mutmaßlichen Massenexukutionen durch soziale Netzwerke. Dutzende Geiseln sitzen in Gefängnissen der Terrorgruppe, wo offenbar gefoltert wird. "Der IS ist ein Gebilde, zusammengesetzt aus sehr cleveren und jahrelang erfahrenen Geheimdienstleuten und auch Militärs von dem untergegangenen Regime Saddam Husseins", berichtet RTL-Chefkorrespondentin Antonia Rados.

Ihr Anführer ist seit 2010 Abu Bakr al-Baghdadi. Er ist Anfang 40 und wird als der neue Osama Bin Laden bezeichnet. 10 Millionen Dollar (Rund 7,4 Millionen Euro) Kopfgeld haben amerikanische Geheimdienste auf ihn ausgesetzt. Seine Terrorgruppe hat sich vor etwa zwölf Jahren im Irak als kleine Schwester der Al-Quaida gegründet. Ziel war es, die US-Truppen zu bekämpfen. Heute will sie mit Geld aus geplünderten Banken, eroberten Ölfeldern, Zwangsprostitution und Menschenhandel, Erpressungen, Drogenhandel und dem Verkauf von geraubtem Kulturgut ein islamisches Kalifat errichten - also einen grenzüberschreitenden Gottesstaat. Und das mit finanzieller Unterstützung aus Katar und Saudi-Arabien. Al-Quaida hat offiziell längst die Verbindungen zum IS gekappt, die als radikalste Islamistengruppe gilt.

Über die Jahre breitete sich die Gruppierung aus, auch über die Grenzen hinweg in Richtung Syrien. Inzwischen hat die Terrororganisation ein Gebiet in der Größe von Großbritannien durchsetzt. "Die Verbindung hängt damit zusammen, dass die Grenze zwischen Irak und Syrien nicht sehr stabil ist und Leute dort einfach von einem Land ins andere ziehen", so Antonia Rados. Rekrutiert werden die Anhänger unter anderem über das Internet. Es sind oftmals junge Männer, die nach Orientierung suchen, leicht zu manipulieren und als Kämpfer oder Selbstmordattentäter abzurichten sind. Sie werden ausgebildet und bezahlt, um sich zu opfern.

Im Irak tobt ein jahrhundertealter Bruderkrieg

In dem IS-Kalifat droht den Gegnern die Todesstrafe. Trinken und Rauchen sind verboten, für Andersgläubige ist kein Platz. Im Irak tobt ein Bruderkrieg, ein Krieg zwischen Sunniten und Schiiten. Die Sunniten sind in der islamischen Welt in der Mehrheit. Zu ihnen zählt auch der IS. Die Schiiten bilden die Minderheit. Nicht jedoch im Irak – dort ist das Verhältnis umgekehrt.

Der Grundkonflikt zwischen ihnen ist Jahrhunderte alt: Sunniten - also auch die IS-Kämpfer - sagen, der Herrscher der muslimischen Gemeinschaft soll aus dem Stamm Mohammeds sein. Für die Schiiten aber ist das unmöglich. Nach ihrer Auffassung kommt nur ein direkter Blutsverwandter des Propheten als rechtmäßiger Führer infrage. Sunniten betrachten die Schiiten deshalb als "Abweichler" von der wahren Lehre des Islam. Ein Grund, warum die Gotteskrieger die Schiiten so brutal bekämpfen. Öl ins Feuer goss der ehemalige irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki, der die Sunniten im Land diskriminierte und systematisch ausgrenzte.

Die Skrupellosigkeit des IS macht inzwischen auch Amerika und Europa Angst und ist längst herübergeschwappt: Dutzende Gotteskrieger sollen aus Syrien zurück nach Deutschland gekommen sein. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes haben die meisten von ihnen für den IS gekämpft.