Was ist das für eine PO-litik? Facebook zensiert dieses Kunstwerk – aber Hass-Kommentare dürfen bleiben?

Facebook entschuldigt sich für irrtümliche Löschung

Keine Nippel, bloß nicht zu viel nackte Haut. Die Filter, die Facebook zur automatischen Löschung von zu freizügigen Bildern nutzt, sind sehr streng. Das musste in der vergangenen Woche auch das Picasso-Museum Münster erfahren. Als es einen Imagefilm im sozialen Netzwerk einstellen wollte, scheiterte es am automatisierten Sittenwächter des weißen F auf blauem Grund. Mittlerweile hat Facebook eingeräumt, dass die Löschung des Videos mit "nackten" Kunstwerken ein Fehler war.

Stein des Anstoßes: Frauenakt des Malers Marc Chagall

Diese Lösch-Politik ist für den A***! Oder anders ausgedrückt: "Das kann jawohl nicht sein, bei so einem schönen Gemälde wird zensiert", hätten sich viele Leute aufgeregt, erklärt Birthe Sarrazin, Sprecherin des Museums. Ein Frauenakt des Malers Marc Chagall, der im Picasso-Museum ausgestellt ist, war der Stein des Anstoßes. Das Gemälde ist längst nicht das einzige Opfer strenger Facebook-Zensur, wie Sie im Video sehen können.

Bei der Löschung von Kommentaren, die zum Beispiel Beleidigungen oder Hassreden enthalten, ist Facebook weit weniger konsequent. Auch hier ist künstliche Intelligenz, ein Algorithmus, am Werk. Doch der ist ganz offensichtlich weit weniger scharf eingestellt als der Nacktscanner aus dem Hause Facebook. "Die Algorithmen sind auf gar keinen Fall transparent, weil sie im Endeffekt auch ein Geschäftsgeheimnis sind", erklärt Andreas Weck vom Computermagazin t3n. Dass Kunstwerke grundsätzlich vom Nacktheitsverbot ausgenommen sind, hat Facebook nach der Po-Panne im Fall Chagall noch einmal klargestellt.