Was hat #MeToo gebracht? "Extra" deckt Sexismus in Castings auf

15. Oktober 2018 - 23:58 Uhr

"Extra" begleitet eine junge Schauspielerin zum Casting

Die #MeToo-Bewegung ist in aller Munde. Vor allem aus der Unterhaltungsbranche werden immer mehr schockierende Fälle sexueller Belästigungen und Übergriffe bekannt. Mit versteckter Kamera wollten unsere Kollegen von "Extra" herausfinden, was einer jungen Schauspielerin bei einem Casting wirklich blühen kann - und die Erkenntnisse sind zutiefst erschütternd!

Der Konkurrenzkampf in der Branche ist hart - doch muss man sich sexuelle Übergriffe gefallen lassen?

Seit einem Jahr wird der Hashtag #MeToo weltweit genutzt, um auf Sexismus im (Berufs-)Alltag aufmerksam zu machen. Dadurch wurde unmissverständlich klar, dass Belästigungen und Missbrauch kein Einzelfall sind. Vor allem nicht, wenn man auf die Schauspielbranche guckt.

Von Hollywoodproduzent Harvey Weinstein, über den gefallenen Serienstar Bill Cosby bis hin zum deutschen Regisseur Dieter Wedel - regelmäßig werden Beschuldigungen laut, in denen vor allem männliche hohe Tiere der Unterhaltungsbranche sexuellen Missbrauchs bezichtigt werden. Meist lautet der Vorwurf, dass Macht und Einfluss der Beschuldigten genutzt würden, um junge Frauen zum Sex zu zwingen - der Karriere zuliebe, versteht sich! Denn der Konkurrenzkampf in der Branche ist hart: Nur ein verschwindend geringer Prozentsatz aller Schauspieler kann auch von seinem Beruf leben.

Also – wie real ist die sprichwörtliche Besetzungscouch noch heute? Mithilfe eines Lockvogels hat "Extra" die fragwürdigen Methoden einer bekannten Künstler-Agentur unter die Lupe genommen.

Bewerberinnen sollen berühmteste Erotikszene aller Zeiten nachspielen

Den Anlass dafür lieferte eine Schauspielerin, die von einer dubiosen Casting-Einladung berichtete. Ein Agent habe sie gebeten, sehr freizügig gekleidet zum Probedreh zu kommen - und dort die berühmte Verhör-Szene aus "Basic Instinct" nachzuspielen, in der Sharon Stone verführerisch die Beine übereinanderschlägt - im kurzen Minirock ohne Höschen. Unser Lockvogel, eine junge Schauspielerin, soll diese Szene ebenfalls spielen. Die Kostümangaben: kurzer Rock, High Heels, weiße Bluse mit tiefem Dekolleté, keine Strumpfhose.

"Extra" filmt Casting mit versteckter Kamera

Ganz offen sagt der Agent ihr, dass 90 Prozent der Entscheidungen in der Branche Männer treffen würden. "Und die reagieren häufig mit dem Schwanz und nicht mit dem Kopf. Man muss das als Meta-Ebene immer mit berücksichtigen."

Was er beim Casting mit versteckter Kamera sonst noch verlangt, ist mehr als krass: Er schließt die Tür ab, zieht die Vorhänge zu und bittet die Undercover-Bewerberin, eine Schlafmaske über die Augen zu ziehen. In unserem Video können Sie sich die fragwürdigen Aufnahmen selbst ansehen!

Agent wird die Szene weiterhin beim Probedreh nutzen

Übrigens hat "Extra" den Agenten bereits mit den Erkenntnissen konfrontiert. Er bleibe dabei, die sexuell geprägte Filmszene beim Casting einzufordern. "Wir haben diese beiden Szenen seit 2012 bei circa 50 oder 60 Bewerberinnen benutzt und werden dies auch weiterhin tun." Dass der Casting-Agent sich damit auf sehr dünnem Eis bewegt, scheint ihm bewusst zu sein. "Die Videos der Probeaufnahmen und Gespräche hinterlegen wir immer bei einem Anwalt. Das Material dient als Sicherheit für den Fall, dass ein Bewerber uns sexuelle Belästigung vorwirft."