Was hat das Gesetz gegen illegale Autorennen bisher gebracht?

© dpa, Alex Talash, kno jam

15. Oktober 2018 - 18:04 Uhr

Illegale Rennen in vielen Städten großes Problem

Ein Fußgänger wird in Hamburg-Wandsbek am Wochenende von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Ausgelöst wurde der Unfall vielleicht von einem illegalen Autorennen. Es sind Vorkommnisse wie diese, die im Oktober 2017 zu einer deutlichen Gesetzesverschärfung geführt haben. In vielen deutschen Großstädten sind illegale Autorennen ein wachsendes Problem, in Köln und Berlin gibt es Sonderkommissionen der Polizei. In unserem Video berichtet ein Insider über die Praktiken der Raser-Szene.

Hohe Dunkelziffer trotz intensiver Ermittlungen

Seit einem Jahr können Teilnehmer und Veranstalter von illegalen Autorennen mit Geldstrafen oder bis zu zwei Jahren Haft belegt werden. Sterben Menschen oder werden schwer verletzt, sind sogar Haftstrafen bis zu zehn Jahren möglich. Ob das neue Gesetz Wirkung zeigt, lässt sich statistisch nicht untermauern, denn bundesweite Zahlen dazu gibt es nicht.

Köln hat dieses Jahr 58 Verfahren wegen illegaler Rennen eingeleitet, Hamburg 36, München 38. Spitzenreiter ist Berlin mit 166. Doch die Dunkelziffer liegt Experten zufolge deutlich höher, zumal das Problem sicherlich nicht auf Städte begrenzt ist.

Weitere Probleme: Oft entwickeln sich die Rennen tatsächlich spontan und sind nach weniger als einer Minute wieder beendet. Und die Raser sind häufig nicht mit ihren eigenen Fahrzeugen unterwegs, sondern leihen sich PS-starke Boliden. Das macht es der Polizei schwer, präventiv gegen sie vorzugehen.

Berlin: Raser töten unbeteiligten 69-Jährigen

Tödliches Autorennen in Berlin
Trümmerteile nach dem Unfall bei einem illegalen Autorennen in Berlin im Februar 2016.
© deutsche presse agentur

Bei einem der aufsehenerregendsten Fälle der vergangenen Jahre war im Februar 2016 in Berlin ein 69-Jähriger getötet worden. Zwei Männer (26 und 29) hatten sich ein illegales Rennen auf dem Ku'damm geliefert und den tödlichen Unfall verschuldet. Ein Jahr später waren deutschlandweit zum ersten Mal in einem Raser-Fall wegen Mordes lebenslange Haftstrafen verhängt worden.

Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) das erste Urteil wegen Mordes kassiert hatte, muss der Fall neu verhandelt werden.

Köln: Renn-Rowdys rammen Studentin vom Rad – 19-Jährige stirbt

Ein weiß gestrichenes Fahrrad steht am 17.02.2016 am Auerweg in Köln (Nordrhein-Westfalen) am Strassenrand an der Unfallstelle eines tödlichen Unfalls bei einem illegalen Autorennen. Der Prozess gegen zwei wegen des Unfalls wegen fahrlässiger Tötung
Ein weiß gestrichenes Fahrrad erinnert am Auerweg in Köln an den Unfall, bei dem eine unbeteiligte Studentin bei einem illegalen Autorennen vom Rad gerammt wurde und starb.
© dpa, Oliver Berg

Ein vielbeachteter Fall hatte sich auch in Köln ereignet. Dort hatten zwei junge Raser bei einem verbotenen Rennen auf dem Auenweg eine 19 Jahre alte Radfahrerin gerammt, die an ihren schweren Verletzungen gestorben war. In einem umstrittenen Urteil waren die Männer mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen. Im Revisionsverfahren entschied das Landgericht, dass die Männer für zwei Jahre beziehungsweise ein Jahr und neun Monate hinter Gitter müssen.