Herausforderungen der Corona-Pandemie

Warum wir Krankenhausserien gerade jetzt brauchen

"Grey's Antaomy" in den Anfängen im Jahr 2005
© imago

27. November 2020 - 15:21 Uhr

von Laura Waßermann

Disclaimer: Dieser Artikel ist nicht objektiv. Seit mehr als 13 Jahren gucke ich die US-amerikanische Krankenhausserie "Grey's Anatomy". Aktuell läuft bereits die 17. Staffel. Damit ist es die am längsten laufende Krankenhausserie aller Zeiten. Wie viele treue Fans habe ich Höhen und Tiefen mit den Charakteren erlebt, darunter zahlreiche Serientode, Flugzeugabstürze, außergewöhnliche Krankheiten und epische Liebesgeschichten. In diesem Jahr, in dem alles anders ist als sonst, aber übertreffen sich die Serienmacher*innen, indem sie uns die Herausforderungen der Corona-Pandemie unmissverständlich aufzeigen.

Ärzt*innen und Pflegepersonal leiden unter der Pandemie

Die Hauptfigur Meredith Grey hat in ihrem Serienleben schon so einige Schicksalsschläge ertragen: Schwester tot, Ehemann tot, Mutter erst Alzheimer-krank und dann tot, beste Freund*innen abgehauen – die Liste geht ewig so weiter. Doch am Anfang der aktuellen Staffel wirkt Grey so abgekämpft wie selten. Der Grund: In dem fiktiven Krankenhaus ist das Coronavirus angekommen.

Unter Hollywood-Hochglanz beschäftigen sich die Ärzt*innen mit Fragen, wie sich Masken am effektivsten desinfizieren lassen, warum immer mehr Herzkranke nicht mehr ins Krankenhaus kommen – aus Angst, sich mit dem Virus zu infizieren. Oder wie viele Menschen noch an dem Virus sterben werden.

Der Alltag von Krankenhauspersonal wird in Serien sonst mächtig dramatisiert. In diesem Jahr wird in vielen Kliniken aus Wahnsinn Realität. In Deutschland nimmt die Auslastung von Intensivbetten immer weiter zu. Immer mehr Menschen sterben an oder mit dem Coronavirus. Krankenpfleger*innen sind am Ende ihrer körperlichen und seelischen Kräfte, so wie eine Krankenschwester aus den USA, die Vorher-Nachher-Fotos von sich twitterte. Andere Krankenschwestern taten es ihr nach. Auf den Fotos sind glückliche junge Frauen zu sehen (vorher), die inzwischen nur noch abgekämpft und erschöpft wirken (nachher). In Deutschland ist außerdem der Mangel an Pflegekräften so schlimm, dass Gesundheitsminister Jens Spahn ankündigte: Infiziertes Krankenhauspersonal müsse gegebenenfalls weiterarbeiten.

Psychische und körperliche Herausforderungen

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie anstrengend und nervenzehrend solch ein Corona-Alltag im Krankenhaus ist. Jeden Tag mit Menschen zu arbeiten, die mit dem Virus infiziert sind, vor dem so viele Deutsche Angst haben. Jeden Abend oder Morgen nach Hause zu gehen und zu wissen, dass im Feierabend wieder Patient*innen sterben werden. Der Gedanke daran bricht mir das Herz, wie geht es dann (euch) Pfleger*innen?

Die Serie "Grey's Anatomy" greift genau dieses Thema auf. Sie behandelt überraschende Krankheitsverläufe oder Fälle, in denen Familienangehörige sich nicht verabschieden können, weil die Corona-Vorschriften das nicht zulassen. Ihre Fiktion ist die Realität von sehr vielen Krankenhausangestellten in dieser Zeit. Mit den ersten Episoden der 17. Staffel bringen die Serien-Macher*innen diese Realität in unsere Wohnzimmer.

Empathie & Respekt für Krankenhauspersonal

Deshalb ist es wichtig, dass es ausgerechnet in Corona-Zeiten eine solche Serie gibt. Wir drücken uns aus Selbstschutz gerne davor, uns in andere Menschen hinein zu versetzen. In Menschen, die gerade Held*innentaten vollbringen, indem sie unser Gesundheitssystem aufrecht erhalten und jeden Tag so mutig sind und gegen die Pandemie ankämpfen.

2020 ist kein normales Jahr. Pfleger*in oder Ärzt*in zu sein, ist ein kein normaler Job. Er verdient unseren größten Respekt und unsere größte Empathie. Wenn das vollbracht wird, indem Normalos wie ich "Grey's Anatomy" gucken, dann sei es drum. Hauptsache, die Botschaft kommt in jedem deutschen Haushalt an: Krankenhausmitarbeiter*innen leisten Großes.

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