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Warum Trauer nie endet: Absturz des Germanwings-Flugzeugs jährt sich zum 5. Mal

Fünf Jahre nach dem Germanwings-Absturz

Warum Trauer nie endet und warum das gut ist

5. Jahrestag Absturz Germanwings in Frankreich Die Trauer wird niemals enden
02:44 min
Die Trauer wird niemals enden
5. Jahrestag Absturz Germanwings in Frankreich

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Von Daniel Spliethoff

150 Menschen sterben, als Co-Pilot Andreas Lubitz am 24. März 2015 die Germanwings-Maschine vom Typ Airbus A320 von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zum Absturz bringt. Unter den Opfern sind 16 Schüler und zwei Lehrer eines Gymnasiums in Haltern am See, Nordrhein-Westfalen. Für all ihre Familien, Freunde und Mitschüler ein Schock, der gar nicht mehr aufzuhören scheint – aber es gibt professionelle Hilfe von Trauerbegleitern.

„Die Trauer lag so gigantisch über der ganzen Stadt“

Wenn Mechthild Schroeter-Rupieper von dem Tag erzählt, als sie nach Haltern fuhr, um dort zu helfen, dann macht sie mit ihren Händen eine weitausholende Bewegung: „Die Trauer lag so gigantisch über der ganzen Stadt, die war allumfassend.“ Schroeter-Rupieper ist Familientrauerbegleiterin , sie ist damals nicht nur als Nothelferin vor Ort, sie bleibt knapp vier Jahre vor Ort, jeder, der will, kann zu ihren Trauergruppen kommen.

Damals lernt sie auch Marike kennen. Vor 5 Jahren ging sie in die 11. Klasse des Johann König Gymnasiums in Haltern, war also ein Jahr weiter als die Zehntklässler, die damals ums Leben kamen. Keine enge Freundin der Opfer – und nicht wenige fragen sie, weshalb sie denn überhaupt so traurig sei. Und doch ist die Trauer da, kommt unvermittelt während Geburtstagspartys und überrollt sie wie viele andere auch. Sie darf feiern, die Toten des Absturzes dürfen es nicht mehr.

5. Jahrestag Absturz Germanwings
Der Co-Pilot brachte die Maschine in den französischen Alpen zum Absturz
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„Die einen, die weinen, die anderen werden still"

"Vor allem, als der Alltag dann mehr oder weniger wieder eingesetzt hat, dass das Thema eigentlich gar nicht mehr wirklich angesprochen wurde, man nicht mehr drüber gesprochen hat und ich aber das Gefühl hatte, es würde mir guttun darüber zu reden."

Schroeter-Rupieper versucht mit ihrem Team den Teilnehmern der Gruppe einen Weg aufzuzeigen, mit ihrer Trauer umzugehen, zu erklären, was da in einem Menschen passiert: „Die einen, die weinen, die anderen werden still, andere werden vielleicht wütend und da Dinge einfach zu erklären, die helfen können. Was kann ich machen"

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„Es geht nicht darum, Trauer wegzumachen"

In den Gruppen lernen Trauernde, mit ihren Gefühlen umzugehen, sie auszudrücken und sich anderen mitzuteilen. "Es hat einfach gutgetan, in dieser Gruppe zu sein. Und ich glaub das ist auch der Grund, warum ich mich jetzt so für diese Sache interessiere, dass ich da einfach so positive Erfahrungen gemacht habe und dann noch mehr kennenlernen wollte." Marike studiert inzwischen Psychologie und will einen Fokus ihrer Arbeit auf die Trauerarbeit legen – sie hat gerade eben erst ein Praktikum bei Mechthild Schroeter-Rupieper absolviert – anderen helfen, so wie ihr geholfen wurde.

„Es geht nicht darum, Trauer wegzumachen, weil es wird immer traurig sein, dass ein Bruder, eine Schwester, ein Freund verstorben ist. Aber es geht darum zu lernen, mit der Trauer umzugehen, mit den Ängsten umzugehen“, sagt die Trauerbegleiterin und ergänzt: „Trauer ist ein Zeichen von Liebe oder Freundschaft, die man für den Menschen empfindet, der jetzt nicht mehr da ist.“

5. Jahrestag Absturz Germanwings
Trauer um die Oper fünf Jahre nach dem Germanwings-Absturz
mku sab lop, dpa, Marcel Kusch

Und es geht ja immer weiter

Übrigens: Eigentlich sollte in Haltern ein Ginkgo-Baum aufgestellt werden, an den alle, die möchten einen bunten Faden binden können. Jeder Faden als eine Erinnerung an einen geliebten Menschen. Wegen des Corona-Virus geht das im Augenblick noch nicht, es soll kein zentraler Ort der Trauer geschaffen werden: Wer aber möchte, kann an das Institut für Familientrauerbegleitung schreiben und sagen, in welcher Farbe die Trauerbegleiter stellvertretend einen Faden an den Baum hängen sollen, als kleines Zeichen: GutesTun@lavia.de.

Wie es zu dem Unglück kam und was inzwischen unternommen wurde, damit solch eine Katastrophe nicht mehr passieren kann, erzählt die Doku "Der Absturz der Germanwings-Maschine - 5 Jahre danach" bei TVNOW .