Frau wirft Katze ihren Hunden zum Fraß vor

Warum quälen Menschen Tiere? Wir haben eine Expertin gefragt

18. Oktober 2019 - 18:22 Uhr

Tragischer Fall von Tierquälerei

Es ist ein Video, das schockiert: Charli Gowland aus New South Wales, Australien, wirft eine Katze ihren Hunden zum Fraß vor. Ihre Begründung: Die Katze hätte angeblich ihre Hunde angegriffen. Was sie zu ihrer Verteidigung zu sagen hat, sehen Sie im Video.

Immer wieder gibt es Videos im Netz, die zeigen wie Menschen Tiere quälen. Doch warum tun Menschen sowas? Wir haben Psychologin Ruth Marquardt gefragt.

Was geht in Menschen vor, die Tiere quälen?

Zunächst wird zwischen sogenannter "normaler" und "pathologische" (krankhafter) Tierquälerei unterschieden. "Normale" Tierquälerei findet sich beispielsweise bei Vorschulkindern mit unreifer emotionaler Intelligenz oder mangelhafter Beaufsichtigung wieder. Häufig haben sie noch nicht gelernt, achtsam mit Lebewesen umzugehen: "Hier können Eltern und Erzieher eingreifen und das Kind auf sein Verhalten aufmerksam machen," erklärt Marquardt.

Wenn ältere Kinder Tiere quälen, kann dieses empathieloses Verhalten unterschiedliche Ursachen haben. Demnach kann es sein, dass sie wie in einer Mutprobe einem Gruppendruck ausgesetzt sind. Hier sprechen Experten noch nicht von einem krankhaften Verhalten, da es bereits ausreichend sein kann, diese Kinder in ein anderes, achtsameres Umfeld zu bringen. Sobald der Gruppendruck aufhört, könne sich dann auch das Verhalten des Kindes positiv verändern.

Die krankhafte Tierquälerei findet nach Experten-Meinung vor allem bei älteren Kindern und Jugendlichen statt: Hier ist Tierquälerei oft ein Ausdruck des seelischen Ungleichgewichts, beispielsweise durch körperlichen oder sexuellen Missbrauch oder häusliche Gewalt.

Was bringt sie dazu, Tiere zu quälen?

Bei der krankhaften Tierquälerei finden Menschen, die Tiere quälen, darin ein Ventil, ihre Aggressionen abzubauen: "Viele Menschen, die Tiere quälen, fühlen sich unter Druck oder frustriert. In dem Augenblick, in dem sie dann ein Tier treten oder misshandeln, lässt dieser Druck nach. Das Tier funktioniert in diesem Augenblick wie ein Blitzableiter. Weitere Gründe können jedoch auch Langeweile sein oder das erhöhte Selbstwert-Gefühl. Menschen fühlen sich dann mächtig - was häufig eine innere erlebte Ohnmacht ausgleicht", erklärt Marquardt.

Nicht selten nehmen Täter auch Alkohol oder andere Drogen zu sich oder sie leben an Tieren ihre sadistischen Phantasien aus. Das Tragische: Wer Tiere quält, hat häufig selbst massive Erfahrungen von Gewalt in früher Kindheit oder Jugend erlebt.

Ist die Hemmschwelle geringer, einen Menschen zu verletzen, wenn man zuvor Tiere verletzt oder getötet hat?

Laut einer Studie der Universität Saarland haben 80 bis 90 Prozent aller extremen Gewalttäter zuvor bereits Tiere gequält. Zahlreiche Studien belegen hier einen Zusammenhang zwischen Tierquälerei und späteren Delikten an Menschen.

Dennoch rät Marquardt von Verallgemeinerungen ab: "Menschen sind nicht gleich und nicht berechenbar."

Wie können Freunde oder Familie den Täter erkennen und helfen?

Vorsichtige Hinweise an die Kinder oder Erwachsene, die Tiere quälen sind hilfreich:

  • Nehmen Sie behutsam Kontakt auf, sprechen Sie das Kind vorsichtig auf sein Verhalten an und machen Sie es darauf aufmerksam, dass ein Tier Schmerz empfindet.
  • Vermeiden Sie aggressives Mahnen oder Bestrafen, sondern reden Sie mit dem Betroffenen.

Denn nicht selten ist Tierquälerei ein indirekter Hilferuf: "Indem wir uns um die Täter kümmern, schützen wir auch die Tiere, beispielsweise über Therapien in schweren Fällen oder über mehr positive Zuwendung und Aufklärung bei kleineren Kindern", rät Marquardt zum Schluss.