Warum nur? Vettel erneut gnadenlos ausgepfiffen

Sebastian Vettel kletterte aufs Podium - und erntete ein gellendes Pfeifkonzert
Sebastian Vettel kletterte aufs Podium - und erntete ein gellendes Pfeifkonzert
© Getty Images, Bongarts

23. September 2013 - 16:04 Uhr

Sebastian Vettel rast in der Formel 1 von Sieg zu Sieg. Seine Dominanz ist unglaublich, sein Können kaum in Worte zu fassen. Doch während einstige Helden wie Ayrton Senna oder Michael Schumacher rund um die Welt gefeiert wurden, hat Vettel ein ernstes Problem: Nach seinen Galavorstellungen erntet der Deutsche regelmäßig gellende Pfeifkonzerte.

Silverstone, Montreal, Monza - schon dreimal war der Red-Bull-Pilot in dieser Saison ausgebuht worden. Dies hatte Vettel jeweils mit den vielen Ferraristi an den Orten erklärt. Doch dass er das gleiche Schicksal auch in Fernost in Singapur erleidet, war nicht zu erwarten. "Sie sind auf Tour, sie fahren mit dem Bus rum…", nahm es Vettel scheinbar mit Humor. "Die meisten Fans haben rote Shirts an, sie sind für Ferrari. Die roten Fans sind halt sehr emotional. Und offenbar reich genug, um nach Monza auch nach Singapur zu kommen."

"Natürlich sagt er, dass es ihn nicht trifft, aber er ist auch nur ein Mensch", äußerte dagegen Christian Horner und verurteilte die Pfiffe. "Das ist nicht sportlich", sagte der Red-Bull-Teamchef: "Der Junge ist ein unglaubliches Rennen gefahren." Martin Brundle, der die Top 3 auf dem Podium interviewte, hatte noch versucht, Schlimmeres zu verhindern. "Bitte nicht. Das ist nicht in Ordnung", flehte er ins Mikrofon, doch seine Worte verhallten.

Auch Niki Lauda reagierte beinahe geschockt. "Das ist total unfair", sagte der RTL-Experte: "Er macht einen Wahnsinnsjob, das habe ich vielleicht noch nie gesehen." Florian König fand die Buh-Rufe total daneben: "Dominanz = Langeweile? Für mich nicht. Vettels Perfektion ist für mich bewundernswert." Selbst Konkurrent Lewis Hamilton sprang Vettel bei: "Niemand sollte für seinen Erfolg ausgebuht werden, egal wie schwer oder leicht es war, diesen zu erreichen", zitierte ihn die BBC: "Das ist definitiv nicht gut. Er ist auf dem Weg zu seinem vierten Titel und verdient Ansehen dafür."

Vettel seit Malaysia der Buhmann

Horner mutmaßt, dass hinter den Pfiffen mehr steckt als nur ein paar harmlose, mit dem Bus umherfahrende Ferrari-Fans. "Mag sein, dass die Ereignisse aus Malaysia ihren Teil dazu beigetragen haben", so Horner. Beim 2. WM-Lauf hatte Vettel kurz vor dem Ziel Mark Webber noch den Sieg entrissen, obwohl das Team ein vermeintliches Überholverbot ausgesprochen hatte. Vettel stand anschließend wie der unbarmherzige Kannibale dar, zumal Webber seine Version der Dinge geschickt über die Medien lancierte.

"Kein Fan kann beurteilen, was damals wirklich passiert ist", deutete Horner an, dass die Wahrheit über den Malaysia-Eklat nicht vollständig an die Öffentlichkeit gelangt ist. "Ich weiß, dass Seb nicht gelogen und in Malaysia alles richtig gemacht hat", zitiert der 'Spiegel' den BBC-Experten Eddie Jordan: "Er hat die Wahrheit nur nicht kommuniziert, um sein Team zu schützen. Das aber wissen die Leute nicht."

Das Dilemma ist: Vettel selbst hat kaum eine Chance, aus der Rolle des Buhmanns herauszukommen, denn dafür ist er, so paradox es klingt, in Kombination mit dem 'Über-Rennstall' Red Bull einfach zu gut. "Wir gewinnen weiter und sie buhen. Das ist nicht nett, aber so lange sie buhen, machen wir einen sehr guten Job", so Vettel. Imagemäßig helfen würde ihm daher wohl nur ein Teamwechsel. Sollte er auch in einem Ferrari Rennen um Rennen gewinnen, hätte sich das Problem mit den pfeifenden Tifosi sicherlich erledigt.