Stille Nacht, heilige Nacht... von wegen!

Warum kommt es immer wieder zum Familienstreit unterm Weihnachtsbaum?

03. Dezember 2021 - 15:34 Uhr

In jedem vierten Haushalt kommt es regelmäßig an den Weihnachtstagen zu Streitigkeiten

Es ist wie verhext, kaum kommt die Familie zusammen, wird auch schon gestritten. Das Tückische: "Wir streiten nie, worüber wir streiten", sagt Familienberaterin Ruth Marquardt. Der Konflikt liegt meist viel tiefer verborgen. Kein Wunder, dass es dann ausrechnet an Weihnachten auf den Tisch kommt. An Weihnachten stehen wir oft unter enormem Druck, denn die Feiertage sollen doch besinnlich sein – koste es, was es wolle! Diese Tipps und Tricks können Abhilfe schaffen.

Unsere eigenen Wünsche stellen wir an Weihnachten hinten an

"Wir stellen meist hohe Erwartungen an das gemeinsame Fest. Wenn wir viel Erfolgsdruck spüren, es allen recht machen wollen – nur uns selbst nicht, dann ist es ganz normal, dass die aufgestaute Spannung irgendwo hin will", so die Familienberaterin. Und der Erfolgsdruck fängt bereits bei der Weihnachtsfestplanung an.

Es ist der häufigste Streitgrund in jedem dritten Haushalt: Organisation und Ablauf der Weihnachtstage. Der Streit beginnt ja meist schon bei der Frage: Wen besuchen wir und wann? Die ungewisse Corona-Lage erschwert die Situation. Dazu kommt die Angst, jemanden dabei zu vernachlässigen oder vor den Kopf zu stoßen. Dabei stellen wir unsere eigenen Wünsche oder dass, was wir wirklich wollen, hinten an.

Jeder hat seine ganz eigenen Vorstellungen vom perfekten Weihnachtsfest

Eine Familie beim Weihnachtsessen.
Kommt die Familie an Weihnachten zusammen, kann es ganz schön stressig werden.
© RgStudio

Kaum ist das Fest im Gange, entstehen neue Reibungspunkte. Denn die Deutschen stehen auf Tradition. So müssen bei jedem Zweiten Plätzchen her. Jeder Vierte kann nicht ohne Weihnachtsprogramm im TV und 22 Prozent gehen in die Kirche. Sieht das nicht jeder in der Familie so, ist Streit abzusehen.

Von diesen Ansprüchen abzurücken und Kompromisse einzugehen, fällt vielen schwer: "Wir wollen das Gefühl von heiler Welt um jeden Preis. Gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten. Wir wollen einen kleinen Bereich unseres Lebens kontrollieren – das gibt uns ein gutes Gefühl. In der Psychologie sprechen wir von 'Selbstwirksamkeit'. Ich kann etwas gestalten. Ich möchte tief in meinem Inneren, dass es mir gut geht. Wir wollen einfach ein Stück heile Welt und Normalität. Und das verbindet uns alle!"

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Was tun, wenn Themen an Weihnachten totgeschwiegen werden?

Zuschauer haben Familienberaterin Ruth Marquardt darüber hinaus Fragen gestellt, die sie bei Punkt 12 beantwortet. Lisa, 23, kann von der vermeintlich heilen Welt ein Lied singen. Sie möchte wissen: Wie gehe ich damit um, wenn Themen totgeschwiegen werden? Das ist laut der Familienberaterin ein "ganz heikles Thema": Man hat vielleicht etwas Wichtiges gar nicht besprochen, "jetzt sollen wir alle unterm Weihnachtsbaum sitzen, wehe wenn das jetzt einer anspricht. Da läuft man schon wie auf rohen Eiern."

Marquardt empfiehlt, die Sache wenn möglich auf die Tage nach Weihnachten zu verschieben. Was helfen kann, um sich selbst trotzdem den Stress und Druck zu nehmen: einen Brief schreiben. Dieser wird am Ende aber gar nicht abgeschickt, sondern verbrannt oder in den Müll geworfen.

Zu mir oder zu dir?

Der 27-jährige Dennis fragt sich, ob er Weihnachten lieber mit seiner Familie – oder mit der seiner Freundin verbringen soll. Auch ein großes und beliebtes Streitthema an Weihnachten, schließlich möchte man es jedem recht machen. "Es ist gut zu verhandeln und zu sagen 'Mensch, lass es uns doch vielleicht in einem Jahr bei meiner Familie machen und im nächsten Jahr bei deiner', so, dass es fair verteilt ist." Sich abzusprechen und zu kommunizieren, das ist laut der Familienberaterin das A und O.

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Wie viele Geschenke sind zu viel?

Weihnachtsgeschenke liegen unter einem geschmücktem Christbaum. Die Verbraucher in Deutschland kaufen laut einer aktuellen Umfrage ihre Weihnachtsgeschenke immer öfter im Internet. (zu dpa «Umfrage: Deutsche k
Geschenke auspacken ist für Kinder DAS Highlight an Weihnachten. Für Eltern ist es aber ganz schön stressig.
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh kde fgj

Ebenfalls wichtig: Geschenke. Sie sorgen für leuchtende Augen bei den Kids – und mitunter für schlechte Laune und Stress bei den Erwachsenen. Was tun, wenn die Vorstellungen zu weit auseinander gehen und ein Ungleichgewicht herrscht? Das fragt sich die 51-jährige Johanna. Der eine will viel schenken, der andere weniger. Der eine gibt gerne mehr Geld aus, der andere kann und möchte das nicht. Ruth Marquardt rät dazu, die Fronten im besten Fall schon im Voraus zu klären. Immer mal wieder von seinen Wünschen sprechen, das Budget festlegen oder vielleicht auch zu sagen: "Hey, dieses Jahr wichteln wir". So "muss" man nicht jedem Familienmitglied ein Geschenk machen, aber es herrscht trotzdem festliche Stimmung.

Bei diesem Thema hat die Familienberaterin außerdem einen sowohl pfiffigen als auch rührenden Tipp in petto: "Mein Praxistipp: Einen kleinen Umschlag auf jeden Platz legen. In den Umschlag schreibst du für jeden, der da ist, was mag ich an dir ganz besonders und wofür bin ich dir in diesem Jahr besonders dankbar." (vwi/vdü)

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