Warum ist Pegida im Osten so erfolgreich?

Auf der jüngsten Pegida-Demo waren 18.000 Anhänger in Dresden.
Auf der jüngsten Pegida-Demo waren 18.000 Anhänger in Dresden.
© REUTERS, FABRIZIO BENSCH

25. Januar 2015 - 12:09 Uhr

"Fehlendes multikulturelles Zusammenleben im Osten"

Seit Wochen ziehen selbst ernannte 'Patriotische Europäer' durch deutsche Städte und warnen vor der angeblichen 'Islamisierung des Abendlandes'. Besonders stark ist die sogenannte Pegida-Bewegung in Dresden, wo von Woche zu Woche immer mehr Anhänger gegen eine Überfremdung durch Ausländer demonstrieren.

Ein anderes Bild der deutschen Wirklichkeit zeigt sich zur gleichen Zeit andernorts: In Köln, Stuttgart, Berlin, Münster, München und Würzburg gehen Zehntausende gegen Pegida und für ein buntes Miteinander auf die Straße – vielfach auch im Dunkeln, denn aus Protest gegen Ausländerfeindlichkeit bleiben der Kölner Dom, das Brandenburger Tor und viele andere Gebäude unbeleuchtet. Aber warum ist Pegida im Osten sehr viel stärker als im Westen? "Das hat vermutlich mit dem fehlenden multikulturellen Zusammenleben zu tun", erklärt Johannes Kiess, Soziologe an der Uni Leipzig. "Die Zivilgesellschaft ist hier nicht so stark verwurzelt wie in anderen Bundesländern."

Tonlage verschärft sich

Nieselregen und Temperaturen nur knapp über Null sind eigentlich nicht dazu angetan, sich lange im Freien aufzuhalten. Was motiviert aber den Einzelnen, dennoch gegen Islamisierung und Asylbewerber zu demonstrieren? "Es fehlt der Kontakt zu Mitbürgern aus unterschiedlichem kulturellem Hintergrund. Deswegen gehen Einzelne auf die Straße, weil sie das einfach nicht kennen, weil sie Angst davor haben, weil sie Ressentiments haben", sagt Kiess. In Ostdeutschland seien die Menschen weniger gewöhnt, sich mit kulturell Anderem auseinander zu setzen.

"Die starken Gegendemonstrationen nehmen der Pegida-Bewegung durchaus den Wind aus der Segel", schätzt Kiess die aktuelle Lage ein. "Auf der anderen Seite haben wir eine Polarisierung, die stattfindet."

Während in der restlichen Republik Zehntausende gegen die islamfeindliche Bewegung auf die Straße gehen, sind die Gegendemos in Dresden ziemlich übersichtlich. "Die Dresdner Pegida-Demonstration hat einfach einen sehr großen Vorlauf gehabt, was die Mobilisierung anbelangt und ist deswegen so erfolgreich", erklärt Kiess. Die Mobilisierung bleibt und die Tonlage in der Debatte verschärft sich. "Auf Facebook und anderswo gibt es durchaus Töne unterhalb der Gürtellinie", sagte Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). "Wenn man miteinander in Dialog treten will, muss man sachlich und vernünftig miteinander reden."

Dabei werden von den Pegida-Organisatoren völlig unsortiert und aus dem Zusammenhang gerissen in Deutschland Zustände beschrieben, bei denen etwa deutsche Schulkinder mit Rücksicht auf Muslime kein Schweinefleisch mehr essen dürfen. Eines steht am Ende des elften Pegida-Montags fest: Die deutsche Politik wird sich mit dem Phänomen 'Pegida' und den darunter liegenden Problemen noch lange beschäftigen müssen.