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Warum es für Katalonien mit der Unabhängigkeit schwierig wird

Warum es für Katalonien mit der Unabhängigkeit schwierig wird

Ist die Region Katalonien auf dem Weg in die Sackgasse?

Katalonien ist eine wirtschaftlich starke Region in Spanien. Sie verfügt über eine eigene Kultur, Tradition und vor allem Sprache. Catalán ist die Sprache, die auf den Straßen in Barcelona und vor allem im Hinterland gesprochen wird. Das ist schon mal ein Unterschied zum ebenfalls abtrünnigen Baskenland. Das Baskische ist mehr Folklore als Alltagssprache. Die Separatisten wollen es also wissen, sie wollen die Unabhängigkeit, die Loslösung von Spanien, von der verhassten Monarchie und der stets gängelnden Zentralregierung in Madrid. Aber der Weg zum eigenen Staat ist weit und es ist zu vermuten, dass den Katalanen von vielen Seiten Steine in den Weg gelegt werden.

Spanisches Vetorecht spricht gegen EU-Beitritt Kataloniens

Das Hauptargument gegen eine Unabhängigkeit Kataloniens sind die zu erwartenden Probleme mit der Europäischen Union. Im Gegensatz zu den Ungarn oder Engländern sind die Katalanen begeisterte Europäer. Sie wollen Teil der EU sein. Die wird aber nicht so einfach zuschauen, wie sich ein Teil der viertstärksten EU-Wirtschaft einfach so abspaltet und sein eigenes Süppchen kocht. Es wird keinen EU-Beitritt Kataloniens ohne Übergangsfrist geben.

Sollte sich Katalonien von Spanien abspalten, müsste die Region aus der Europäischen Union austreten, weiß der Europaabgeordnete Elmar Brok (CDU). Die Katalanen müssten einen Antrag zur Neuaufnahme in die EU stellen, der von den Mitgliedstaaten einstimmig angenommen werden müsste. "Dann hätte Spanien ein Vetorecht", sagt Brok. Außerdem verstehe sich die EU trotz ihrer neoliberalen Ausrichtung immer noch als Solidargemeinschaft. "Die Katalanen sind aber nicht bereit zu teilen. Die fühlen sich diskriminiert, weil sie meinen, sie müssten von ihrem Geld zu viel abgeben." Das sei ein System, das weder in der Europäischen Union noch in einem europäischen Staat funktionieren könne.

Weitere abtrünnige Regionen innerhalb der EU

Gegner der Unabhängigkeit Kataloniens demonstrieren am 04.10.2017 in Barcelona, Spanien, mit spanischen Nationalflaggen.
Es gibt in Barcelona auch Demonstrationen für den Verbleib im spanischen Staat.
FS hjb, dpa, Francisco Seco

Und: Die EU fürchtet Nachahmer. Südtirol und das Friaul haben schon lange keine Lust mehr, für den verarmten Süden Italiens zu bezahlen. In Flandern gibt es gleich mehrere Parteien, die sich von der ärmeren Wallonie abspalten wollen. Und was ist mit Galicien und dem Baskenland im Norden Spaniens? Manche internationale Zeitung zieht sogar schon den Vergleich zum Zerfall Jugoslawiens. Dieses Risiko kann Brüssel kaum eingehen, die EU wird an der Seite Spaniens stehen.

Auch wenn die Welt entsetzt war über den überharten Schlagstock- und Gummigeschoss-Einsatz der spanischen Polizei beim Referendum – und der katalanische Nationalismus nichts mit dem rechtsgerichteten Nationalismus in Teilen Osteuropas zu tun hat: Die EU und ihre Anführer Deutschland und Frankreich werden nicht tatenlos mitansehen, wie sich eine wirtschaftlich starke Region aus einer Solidargemeinschaft löst.

Schon kommen die ersten Drohungen von den Rating-Agenturen. Laut Standard & Poor's (S&P) könnte Katalonien in Schwierigkeiten kommen, sich kurzfristig selbst zu finanzieren – und droht der Region mit Herabstufung.

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Zeit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren

Es ist Zeit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Auch die Zentralregierung in Madrid muss ihre sture Haltung aufgeben, sie riskiert einen Bürgerkrieg mitten in einem der Touristenparadiese der EU. Der Preis, Katalonien innerhalb Spaniens zu erhalten, wird für Madrid hoch sein. Aber er ist es wert. Zu hart würde es die Zentralregierung treffen, 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu verlieren.

Die Frage ist, wer reicht wem als erstes die Hand? Durch die Gewalt und die Rücksichtslosigkeit der vergangenen Tage ist in Katalonien bei vielen neutralen Einwohnern die Stimmung Richtung Unabhängigkeit gekippt. Das wäre vermeidbar gewesen.