"Warum bin ich noch da?" - Cybermobbing treibt 15-Jährige in Selbstmord

11. April 2013 - 20:13 Uhr

Amanda: "Ich habe niemanden"

Jahrelanges Cybermobbing und Grausamkeiten in der Schule - Amanda Todd sieht für sich keinen Ausweg und begeht Selbstmord. Am 10. Oktober wird die 15-jährige Schülerin aus Kanada in Coquitlam nahe Vancouver tot aufgefunden, nur einen Monat nachdem sie ihre Geschichte veröffentlicht hat - in einem Youtube-Video.

"Warum bin ich noch da?" - Cybermobbing treibt 15-Jährige in Selbstmord
Bei Facebook gedenken Hunderttausende Amanda Todd.
© Screenshot Facebook

In dem neunminütigen Video hält Amanda beschriftete Karten hoch. In der Beschreibung schreibt sie: "Jeden Tag frage ich mich, warum ich noch da bin". Auf den Karten beschreibt sie, wie ein Unbekannter sie jahrelang übers Internet terrorisiert. Nachdem der Fremde sie in der siebten Klasse bei einer Webcam-Unterhaltung überredet, ihm 'mehr zu zeigen', erpresst er sie auf Facebook damit, ein Nackt-Foto von ihr zu verbreiten. Das Bild wird im gesamten Umfeld der 15-Jährigen verschickt. Sie leidet unter Panik-Attacken und Depressionen, traut sich nicht das Haus zu verlassen und flüchtet sich in Drogen- und Alkohol-Konsum. Ihre Freunde wenden sich von ihr ab, auch in der Schule erfährt sie Mobbing.

Die 15-Jährige wechselt mehrmals die Schule, kann sich aber kein soziales Umfeld mehr aufbauen. Nach einem gescheiterten Suizidversuch mit Bleichmittel schicken ihre Mitschüler ihr Fotos von Bleichmittelflaschen und beschimpfen sie. "Ich habe niemanden, ich brauche jemanden", schreibt sie im Video. Eine Mitschülerin berichtet nach Amandas Selbstmord: "Das ging so eine lange Zeit. Wenn ich sie gewesen, wäre hätte ich es früher getan." Die Schule in Coquitlam, die sie zuletzt besuchte, wusste von ihrer Video-Botschaft und wollte sie sofort unterstützen, doch die Hilfe kam zu spät.

Anti-Mobbing-Kampagne geplant

Amandas Suizid hat die Debatte um eine Anti-Mobbing-Kampagne in Kanada eröffnet. Parlamentsmitglieder wollen eine Strategie entwerfen, um Mobbing-Attacken, wie die 15-Jährige sie erfahren hat, künftig zu stoppen. Besonders wichtig sei Kommunikation, sagte der Gesetzgeber der Initiative: "Wir müssen in unseren Familien darüber sprechen. Mit den Kindern, die Mobbing erfahren und noch nicht darüber gesprochen haben – bitte macht es." Kinder sollten sich einem Elternteil, Lehrer oder einer anderen Vertrauensperson anvertrauen. Weiter riet er den Eltern, bei ihren Kindern auf Symptome von erfahrenem Mobbing zu achten.

Auf Facebook hat Amandas Tod jetzt eine Welle des Mitgefühls ausgelöst. Eine Seite in ihrem Gedenken hat schon jetzt mehrere Hunderttausend 'Likes'. In Hunderten von Kommentaren drückten Besucher der Seite ihr Mitgefühl aus.

Das Internet wurde Amanda zum Verhängnis. Die Hacker-Gruppe Anonymus will den Täter stellen, greift dabei aber ebenfalls zu fragwürdigen Methoden. Sie hat Namen und Adresse des mutmaßlichen Täters veröffentlicht.