"Wir raten dazu, im Verdachtsfall Paracetamol einzunehmen"

WHO empfiehlt: Bei Coronavirusverdacht ohne ärztlichen Rat kein Ibuprofen

21. März 2020 - 10:46 Uhr

Experten prüfen aktuell die Lage

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät Menschen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus davon ab, ohne ärztlichen Rat das Medikament Ibuprofen einzunehmen. Es gebe zwar keine neuen Studien, aus denen hervorgehe, dass Ibuprofen mit höherer Sterblichkeit verbunden sei, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Dienstag in Genf. Aber die Experten prüften die Lage zur Zeit. "Wir raten, im Verdachtsfall Paracetamol und nicht Ibuprofen einzunehmen", sagte Lindmeier. Dies beziehe sich ausschließlich auf die Einnahme ohne ärztlichen Rat, betonte er. Im Video erklärt Apotheker Toralf Stenz, welchen Vorteil Paracetamol gegenüber Ibuprofen und manch anderem Schmerzmittel hat.

Update: Am 19. März 2020 hat die Weltgesundheitsorganisation ihre Warnung vor der Einnahme von Ibuprofen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurückgezogen.

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Französischer Gesundheitsminister erregte am Wochenende mit Warnung Aufsehen

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran hatte am Wochenende mit einem Tweet, in dem er vor Entzündungshemmern wie Ibuprofen warnte, Aufsehen erregt. Der nationale Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon hatte sich ähnlich geäußert und von der Einnahme sogenannter nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) abgeraten. Zu dieser Wirkstoffgruppe zählen neben Ibuprofen auch Acetylsalicylsäure (ASS; Aspirin) und Diclofenac. Es gibt einen Beitrag im Fachjournal "Lancet", in dem eine mögliche unerwünschte Wirkung von Ibuprofen erwähnt wird. Die Fallzahl der Studie ist aber äußerst gering.

Anders als Paracetamol hemmt Ibuprofen die Blutgerinnung

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) schloss am Wochenende nicht aus, dass insbesondere ASS, aber auch Ibuprofen, bei der Lungenerkrankung Covid-19 nicht hilfreich sein könnten. "Ibuprofen hemmt die Blutgerinnung, das wäre ein möglicher Hinweis", erläutert der Virologe. Damit steige das Risiko für innere Blutungen. "Bei Paracetamol ist das nicht der Fall."