Warnung aus Nordkorea: Deutschland soll Botschaft räumen

10. Februar 2016 - 22:06 Uhr

Berlin bestellt Botschafter ein

Was geht in Nordkorea vor? Angeblich hat das Land der Bundesregierung empfohlen, die deutsche Botschaft in Pjöngjang zu räumen. Das Auswärtige Amt ließ bisher allerdings offiziell nur verlauten, die "Sicherheit und Arbeitsmöglichkeit unserer Botschaft in Pjöngjang wird angesichts der Eskalation laufend überprüft."

Nordkorea warnt Botschaften
Die Spannungen in Nordkorea halten an.
© REUTERS, KCNA

Zuvor hatte die Bundesregierung den nordkoreanischen Botschafter einbestellt und vor einer weiteren Eskalation im Streit mit Südkorea und den USA gewarnt. "Ihm wurde deutlich gemacht, dass die jüngsten Eskalationsschritte Nordkoreas in keiner Weise für die Bundesregierung akzeptabel sind", erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Neben der Warnung an die deutsche Regierung sollen auch Warnungen an Großbritannien und Russland ergangen sein. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte, man habe eine Mitteilung erhalten, in der stehe, dass Nordkorea "im Falle eines Konflikts nach dem 10. April" nicht in der Lage sei, Botschaften und internationale Organisationen zu schützen. Eine Aufforderung zur Evakuierung der Vertretung habe es aber nicht gegeben. Die britische Regierung sprach von einem Propaganda-Schachzug, mit dem sich Nordkorea als das vermeintliche Opfer einer Bedrohung durch die USA darstellen wolle.

Es gebe auch keine Pläne, die Botschaft zu räumen, hieß es weiter. Vielmehr müsse Nordkorea mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten und sich verantwortungsvoll verhalten, sagte der Sprecher. Die Warnung bezeichnete er als "Teil der derzeitigen Rhetorik Nordkoreas".

Castro warnt Nordkorea

Moskaus Vertretung in Pjöngjang habe ebenfalls ein entsprechendes Schreiben erhalten, teilte der russische Presseattaché Denis Samssonow. Wegen der sich verschärfenden Lage auf der koreanischen Halbinsel werde den Russen der Abzug ihrer Diplomaten und Mitarbeiter empfohlen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow zeigte sich besorgt von der Lage. "Wir klären gerade die Einzelheiten, dann treffen wir eine Entscheidung", sagte Lawrow.

Zusätzliche Spannungen entstanden durch die Verlegung zweier Mittelstreckenraketen an die Ostküste Nordkorea, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Bereits am Vortag hatte das südkoreanische Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass Nordkorea eine Mittelstreckenrakete an die Ostküste verlegt habe. Die Flugkörper haben eine Reichweite von bis zu 4.000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine US-Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte das Regime in Pjöngjang zur Mäßigung und einem Kurswechsel auf.

Nordkorea hat mit einem Atomangriff auf US-Ziele gedroht und die Lage fast täglich mit neuen Erklärungen eskaliert. Die USA zeigten sich weiterhin gelassen. "Das ist nur eine eskalierende Serie rhetorischer Stellungnahmen", sagte Viktoria Nuland, Sprecherin des States Departments. Sie fügte allerdings hinzu: "Die Frage ist, mit welchem Ende."

Kubas Ex-Staatschef Fidel Castro hat derweil Nordkorea vor einem Krieg gewarnt. Dies würde beiden Völkern auf der koreanischen Halbinsel nur "furchtbare Opfer" abverlangen, schrieb der 86-jährige Revolutionsführer an die Adresse seines alten Verbündeten aus Sowjetzeiten. Das kommunistische Nordkorea müsse sich seiner Pflichten gegenüber befreundeten Ländern bewusst werden, nachdem es seinen technologischen Fortschritt gezeigt habe, schrieb Castro weiter.