Warnung aus dem Auswärtigen Amt: Türkischstämmige Abgeordnete sagen Sommerurlaub am Bosporus ab

Der türkische Präsident hatte die Abgeordneten scharf attackiert
Der türkische Präsident hatte die Abgeordneten scharf attackiert
© dpa, Sedat Suna

11. Juni 2016 - 16:31 Uhr

Parlamentarier massiv bedroht

Die Hetze des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat offenbar noch weitreichendere Folgen als bislang bekannt: Nach den Anfeindungen aus Ankara gegen türkischstämmige Bundestagsabgeordnete rät das Auswärtige Amt laut "Spiegel" diesen von Reisen in die Türkei ab, da für ihre Sicherheit nicht garantiert werden könne. Das Auswärtige Amt wollte den Bericht auf Nachfrage nicht kommentieren.

Der türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Abgeordneten scharf attackiert. Auslöser war die Völkermord-Resolution, mit der der Bundestag die Massaker im Osmanischen Reich an Armeniern vor rund 100 Jahren als Völkermord eingestuft hatte. Erdogan verunglimpfte die elf türkischstämmigen Abgeordneten daraufhin als verlängerten Arm der verbotenen PKK. Im Internet wurden die türkischstämmigen Abgeordneten massiv bedroht.

Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz bedauerte die Entwicklung: "Es ist unsäglich zu wissen, dort nun erst mal nicht mehr hinfliegen zu können", sagte die SPD-Politikerin dem Nachrichtenmagazin. "Erdogan muss begreifen, dass wir nicht der verlängerte Arm der Türkei sind." Andere türkischstämmige Abgeordnete haben laut "Spiegel" Dienstreisen nach Ankara oder ihren Sommerurlaub am Bosporus abgesagt. Ein Abgeordneter habe dafür gesorgt, dass seine Eltern das Ferienhaus der Familie in der Türkei verließen und in einem Hotel in einer anderen Stadt Zuflucht suchten.