Warnstreik: IG Metall will mehr Lohn und weniger Arbeit – 60.000 Beschäftigte legen Arbeit nieder

09. Januar 2018 - 19:52 Uhr

IG Metall kündigt härtesten Tarifkampf seit 20 Jahren an

Bundesweit haben 60.000 Menschen ihre Arbeit niedergelegt – allein in Nordrhein-Westfalen waren es 32.000. Die Gewerkschaft IG Metall hatte zu Warnstreiks aufgerufen, um für sechs Prozent mehr Lohn und kürzere Arbeitszeiten zu kämpfen. Der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler kündigte bei einer Kundgebung in Schweinfurt den vielleicht härtesten Tarifkampf seit 20 Jahren an.

Gewerkschafter und Arbeitgeber verhandeln in Böblingen

Trotz hervorragender Wirtschaftslage und satter Unternehmensgewinne wollten die Arbeitgeber die Beschäftigten "mit einer mickrigen Lohnerhöhung abspeisen", die nicht einmal die Inflation ausgleiche, kritisierte Wechsler. "Schon das ist eine bodenlose Frechheit!"

In Böblingen (Baden-Württemberg) treffen sich Gewerkschafter und Arbeitgeber am 11. Januar, um über die Tarife von 3,9 Millionen Metallern zu verhandeln. Wenn dann "immer noch keine Bereitschaft erkennbar ist, über diese Themen überhaupt ernsthaft zu reden, wird die Situation weiter eskalieren", kündigte der baden-württembergische IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger im 'Handelsblatt' an.

IG Metall fordert mehr Lohn und kürzere Arbeitszeiten

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Lohn und das Recht für jeden Beschäftigten, seine Arbeitszeit bis zu zwei Jahre lang von 35 auf 28 Stunden pro Woche zu verkürzen, teilweise mit Lohnausgleich. Die Arbeitgeber wollten darauf bisher nicht eingehen und haben eine Einmalzahlung und zwei Prozent mehr Lohn angeboten. Außerdem wollen sie die Arbeitszeit verlängern können.

Der Tarifexperte Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln wies die Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten und einem teilweise gewährten Lohnausgleich als "juristisch fragwürdig" zurück. Schichtarbeiter oder Beschäftigte mit Kindern würden so bevorzugt, wenn sie in Teilzeit gingen, sagte er der 'Rhein-Neckar-Zeitung'.

IG-Metall-Bezirkschef Zitzelsberger sagte, ohne einen Zuschuss der Arbeitgeber für Eltern, pflegende Angehörige oder Schichtarbeiter, die ihre Arbeitszeit reduzieren, werde es keinen Abschluss geben. Die Gewerkschaft kann zu 24-Stunden-Warnstreiks aufrufen, wenn die Mitglieder in einer Urabstimmung dafür sind.