Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht klärt auf

Wann man bei Rückenschmerzen sofort zum Arzt sollte

Rückenschmerzen können durch viele verschiedene Ursachen hervorgerufen werden.
Rückenschmerzen können durch viele verschiedene Ursachen hervorgerufen werden.
© iStockphoto, Prostock-Studio

03. Dezember 2021 - 11:23 Uhr

Rückenschmerzen entpuppen sich als Krebs - Ehefrau warnt nach Tod ihres Mannes

Als Jeremy Baggott aus Süd-England 2015 einen Koffer unter dem Bett hervorholt, durchfährt ein stechender Schmerz seinen Körper. Anfangs denken er und seine Frau Kerry, dass sich Jeremy etwas verklemmt haben könnte oder ein Hexenschuss dahintersteckt. Doch die Schmerzen werden zu seinem dauerhaften Begleiter. Erst drei Jahre später erfährt Jeremy, was wirklich dahintersteckt: Als Folge von Blutkrebs haben Tumore seinen Rücken befallen. 2020 verstirbt der Vater zweier Kinder an den Folgen der Krebserkrankung. Seine Witwe warnt nun davor, Rückenschmerzen einfach als "normal" abzutun, und rät dazu, lieber einmal öfter zum Arzt zu gehen.

Wann kann hinter Rückenschmerzen mehr als nur eine Verspannung oder Fehlhaltung stecken? Der Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht erklärt, bei welchen Symptomen Sie sofort einen Arzt aufsuchen sollten.

Mediziner beruhigt: Rückenschmerzen nur selten ein Anzeichen für Krebs

"Nicht jeder, der Rückenschmerzen hat, muss glauben, er hat Krebs", betont Dr. Christoph Specht im Gespräch mit RTL. Nur in sehr seltenen Fällen deuteten Rückenschmerzen auf eine Krebserkrankung hin, beruhigt der Mediziner. Dennoch könnten sich verschiedene Krebsarten – darunter Prostata- oder Magenkrebs – durch Rückenschmerzen bemerkbar machen, wenn sie Tochtergeschwüre im Rückenmark bilden. Das Multiple Myelom – die Krebsart, an der Jeremy Baggott gestorben ist – löse zudem neben Rückenschmerzen noch weitere Symptome aus: Klage ein Patient über Fieber, Nachtschweiß sowie Gewichtsverlust, würden Ärzte sofort hellhörig, erklärt Dr. Specht.

Viel häufiger seien Rückenschmerzen jedoch eine Folge von Verschleiß, so Dr. Specht. "Die allermeisten Rückenschmerzen sind degenerative Erscheinungen: Angefangen bei angedeuteten Bandscheibenvorfällen über komplette Bandscheibenvorfälle bis hin zu Entzündungen der Dornfortsätze oder Fischwirbelbildungen."

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Rückenschmerzen: Bei diesem Symptom sofort zum Arzt!

Bei auftretenden Rückenschmerzen rät Dr. Specht dazu, wenn möglich erst einmal zu versuchen, die Verspannungen durch Bewegung zu lösen. Auch die Sitzhaltung immer wieder zu ändern sowie die betroffene Stelle zu kühlen oder zu wärmen, könne Linderung bringen. Bei starken, anhaltenden Schmerzen oder wenn Bewegung nicht mehr möglich ist, sei der Weg zum Arzt ratsam.

Trete neben Rückenschmerzen jedoch zusätzlich eine Lähmung der Zehen auf, sei Vorsicht geboten. "Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Nerven im Rücken abgequetscht ist", so der Arzt. Betroffene sollten dann umgehend einen Arzt aufsuchen. "Das ist etwas, was operativ korrigiert werden muss, damit der Nerv keinen dauerhaften Schaden erleidet."

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Im Video: Übungen gegen Rückenschmerzen und Verspannungen

Auch zu Hause können Verspannungen und Rückenschmerzen der Kampf angesagt werden, wie uns Rückenschul-Leiter Ulrich Kuhnt gezeigt hat. Mithilfe seiner Rückenübungen können nicht nur die Schmerzen verschwinden, sondern sich auch die Haltung verbessern, die wiederum für einen gesunden Rücken unerlässlich ist. Wie die Übungen funktionieren, sehen Sie im Video. (dhe)