Nach erschütternden Aufnahmen von Orca „Kiska“

Wann ist ein Tier zu einsam? Diese Verhaltensstörungen sind Warnzeichen

Wie sich einsame Haustiere verhalten
Wie sich einsame Haustiere verhalten
© picture alliance / dpa Themendie, Monique Wüstenhagen

16. September 2021 - 6:13 Uhr

Einsame Haustiere: So verhalten sie sich

Es sind erschütternde Aufnahmen: Immer wieder rammt das Orca-Weibchen "Kiska" in einem Tierpark in Ontario, Kanada, seinen Kopf gegen die Wand des Beckens. Tierschützer bezeichnen es als einsamsten Wal der Welt: Seit zehn Jahren soll "Kiska" ohne Artgenossen ihr Dasein in dem Aquarium fristen. Das dadurch so gestörte Verhalten von "Kiska" ist traurig mit anzusehen – aber keine Seltenheit: Auch Pferde oder Haustiere wie Hunde und Katzen werden verhaltensauffällig, wenn sie sich einsam fühlen. Wir erklären, an welchen Anzeichen Sie das erkennen können.

Bei allen Verhaltensstörungen gilt: Sie können ein Anzeichen dafür sein, dass ein Tier zu einsam ist – es könnte jedoch auch eine andere Ursache dahinterstecken. Besitzer sollten sie deshalb in jedem Fall von einem Experten und/oder dem Tierarzt abklären lassen.

Einsame Hunde

Hunde sind Rudeltiere. Wie gut sie das Alleinsein verkraften, ist individuell. Für manche kann es großen Stress und Trennungsangst bedeuten, wenn sie längere Zeit ohne Mensch oder Hundefreunde verbringen müssen. Das sind mögliche Anzeichen:

  • Anhaltendes Bellen oder Heulen: Sobald die Menschen weg sind, wird das Tier laut.
  • Zerstörungswut: Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, macht der Hund Dinge kaputt oder wühlt im Müll.
  • Appetitlosigkeit: Wie auch beim Menschen kann die Traurigkeit übers Alleinsein auf den Magen schlagen.
  • Geschäft in der Wohnung: Plötzliche Stubenunreinheit kann ein Zeichen für großen psychischen Stress sein.
  • Ungewohnte Aggressionen: Sonst friedliche Hunde können auf einmal knurren und schnappen.

Quellen:Easy Dogs, Ein Herz für Tiere

Was Sie tun können, um Ihrem Hund das Alleinsein zu erleichtern, erklärt Profi Martin Rütter hier.

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Einsame Katzen

Eine Katze schläft auf einem Tisch
Auch Katzen können aus Einsamkeit und Langeweile lethargisch werden
© dpa, Martin Gerten

Katzen sind zwar Einzeljäger, aber soziale Wesen. Sich ausreichend mit ihnen zu beschäftigen, vor allem wenn sie alleine gehalten werden, ist deshalb unabdingbar. Bekommt die Katze zu wenig Zuwendung, kann sich das in folgenden Verhaltensauffälligkeiten äußern:

  • Unruhe, Rastlosigkeit: Der Bewegungsdrang des Tieres könnte nicht ausgelastet sein – vor allem jüngeren Tiere haben extrem viel Energie.
  • Aggressionen gegen Menschen oder Gegenstände: Die Katze greift Sie an, wenn Sie kommen oder gehen bzw. zerkratzt Möbel trotz anderer Angebote.
  • Antriebslosigkeit: Die Katze schläft mehr als gewöhnlich, spielt wenig und ist wirkt desinteressiert.
  • Unsauberkeit: Der Gang aufs Katzenklo wird auf einmal verweigert.
  • Anhänglichkeit: Die Katze streicht ständig um sie herum, miaut laut und versucht dauernd, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Quellen: Zoo Royal, Ein Herz für Tiere

Was Sie dagegen tun können und was Sie bei der Katzenerziehung noch vermeiden sollten, erfahren Sie hier.

Einsame Kaninchen

Kaninchen hinter Stallgitter
Alleine im Stall: Das ist für Kaninchen keine artgerechte Haltung
© deutsche presse agentur

Kaninchen sind gesellige Gruppentiere und sollten deshalb mindestens zu zweit gehalten werden. Menschen können den Kontakt zu Artgenossen nicht ersetzen, ebenso wenig Meerschweinchen. Werden sie allein gehalten oder stirbt der ehemalige Partner, kann es zu diesen Verhaltensproblemen kommen:

  • An Gitterstäben nagen: Meist ein Zeichen für Langeweile: Das Tier fühlt sich unterfordert.
  • Das Kaninchen führt immer wieder die gleichen Bewegungen aus: Ebenfalls ein Zeichen für Langeweile.
  • Aggression gegen sich selbst oder den Besitzer: Das Tier rupft sich selbst Fell heraus oder beißt zu.
  • Anhänglichkeit: Oft laufen einsame Kaninchen den Besitzern ständig hinterher – dies wird oft fälschlicherweise als besondere Zuneigung interpretiert.
  • Überängstlichkeit: Ohne Partner fehlt es Kaninchen an Rückhalt.

Quellen

: Kaninchenhilfe Deutschland e. V., Möhren sind Orange e. V.

Einsame Pferde

Pferd vor Stall
Pferde können sehr sensibel auf Trennungen und Einsamkeit reagieren
© imago sportfotodienst, imago

Soziale Kontakte zu Artgenossen sind für Pferde unverzichtbar – auch wenn sie in Einzelboxen gehalten werden, brauchen sie Sicht, Hör- und Geruchskontakt. Verhaltensauffälligkeiten aus Einsamkeit sind bei Pferden vielfältig und können sich zum Beispiel so äußern:

  • Kleben: Das Pferd verfällt in Panik, etwa wenn es alleingelassen oder von der Koppel geholt wird. Es lässt sich schlecht führen, läuft oft in eine andere Richtung, erschrickt häufig oder rückt dem Menschen auf die Pelle. Es verhält sich quasi wie ein Fohlen, das Angst hat, von der Mutter getrennt zu werden.
  • Weben: Das Pferd bewegt sich auf den Vorderläufen hin und her, verlagert dabei pendelartig sein Gewicht. Eine der Hauptursachen hierfür ist der Mangel an Bewegung, Reizen und Sozialkontakten.
  • Koppen: Das Pferd setzt die oberen Zähne auf eine Kante auf und spannt die Halsmuskulatur so an, dass Luft in die Speiseröhre strömt und ein "rülpsendes" Geräusch entsteht. Der Vorgang dient den Tieren wahrscheinlich zum Abbau von Stress und erzeugt Endorphine, also Glückshormone.

Quellen

: VDTT e. V., Österreichischer Tierärzteverlag, St. Georg, Herzenspferd

LESE-TIPP: So viel kosten Haustiere im Laufe ihres Lebens (rka)

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