26. Juni 2019 - 13:12 Uhr

Stephan E. hat den Mord an Lübcke am Dienstag gestanden

Der tatverdächtige Stephan E. hat zugegeben, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke getötet zu haben. Das teilte Bundesinnenminister Horst Seehofer am Mittwoch am Rande einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Innenausschusses des Bundestages mit. Demnach soll er bereits am Dienstag gestanden haben, den CDU-Politiker erschossen zu haben.

Verfassungsschutz hatte Stephan E. seit 2009 nicht mehr auf dem Schirm

26.06.2019, Berlin: Horst Seehofer (CSU, r), Bundesinnenminister, und Peter Frank, Generalbundesanwalt, unterhalten sich vor Beginn der Sitzung des Innenausschusses des Bundestags zum Mordfall Lübcke. Die Innenausschüsse des hessischen Landtags und d
Horst Seehofer (CSU, r) und Peter Frank unterhalten sich vor Beginn der Sitzung zum Mordfall Lübcke.
© dpa, Monika Skolimowska, skm lop

Seehofer sprach von einem schnellen Ermittlungserfolg. Er betonte aber: "Damit ist die Aufklärung dieses politischen Mordes noch nicht abgeschlossen." Der Innenminister rief die Bürger auf, sich klar von Rechtsextremen zu distanzieren. Dort müsse es eine "rote Linie" geben. Antisemitismus und Ausländerhass seien nicht zu tolerieren.

Nach Angaben weiterer Teilnehmer der Sitzung gab der Generalbundesanwalt Peter Frank zwar keine Informationen zum Motiv. Er habe aber erklärt, dass die Zuständigkeit seiner Ermittlungsbehörde nicht entfallen sei. Damit ist klar, es handelt sich um ein politisches Motiv.

Der 45-jährige Stephan E. war in früheren Jahren durch Kontakte in die rechtsextreme Szene aufgefallen. Seit 2009 hatte ihn der Verfassungsschutz nicht mehr auf dem Radar gehabt.

Stephan E. sitzt in Untersuchungshaft

ARCHIV - 13.06.2019, Hessen, Kassel: Das Konterfei von Walter Lübcke (CDU) ist hinter einem Bundeswehrsoldaten am Sarg bei einem Trauergottesdienst in der Martinskirche zu sehen. Der Mord an Lübcke beschäftigt die Abgeordneten in Berlin und Wiesbaden
Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni mit einer Schussverletzung im Kopf auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen bei Kassel entdeckt worden.
© dpa, Swen Pförtner, spf jat ade

​Walter Lübcke war in der Nacht auf den 2. Juni auf seiner Terrasse niedergeschossen worden. Sein Sohn fand ihn noch schwer verletzt, später verstarb er jedoch im Krankenhaus. Nach Hinweisen auf einen rechtsextremen Hintergrund der Tat übernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen und nahm den bekannten Neonazi Stephan E. am 15. Juni fest. Seitdem sitzt E. in Untersuchungshaft.

Lübcke zog den Hass der Rechten auf sich

War es eine Bürgerversammlung im Jahr 2015, die den Zorn von Stephan E. auf Walter Lübcke lenkte? Damals soll sich der Politiker für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft in Lohfelden (Hessen) ausgesprochen haben. Gerade mal einen Kilometer von Stephan E.s Wohnung entfernt. Angeblich soll der Tatverdächtige Lübcke daraufhin in einem Chat als "Volksverräter" bezeichnet haben. Aufnahmen zeigen den Mann angeblich bei der Demo der rechtsradikalen Gruppe "Combat 18" - mehr dazu im Video.