Walschutz-Tagung in Panama-Stadt: Südkorea will wieder Wale fangen

31. März 2014 - 19:41 Uhr

Auch Dänemark streitet für mehr Walfang

Südkorea will dem Beispiel Japans folgen und zu wissenschaftlichen Zwecken wieder Wale jagen. Das kündigte die Delegation des Landes bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Panama-Stadt an.

Das Weltweite Walfang-Verbot hat viele Schlupflöcher.
Viele Schlupflöcher: Trotz weltweitem Walfang-Verbot werden die Meeressäuger noch gejagt.
© dpa, Gisli Pall Gudjonsson

Der Leiter der Delegation, Joon-Suk Kang, sagte, die Population der Minkwale vor der Küste Südkoreas habe sich erholt und stelle ein Problem für die Fischer dar, da die Meeressäuger die Fischbestände vernichteten.

Walschutzorganisationen reagierten entsetzt. Ralf Sonntag, IFAW-Leiter in Deutschland, bezeichnete die Absicht der Koreaner als einen billigen Vorwand für kommerziellen Walfang. "Dies ist absolut inakzeptabel und letztendlich ein Schlag ins Gesicht für jeden seriösen Meeresforscher", sagte er.

Zudem haben Japan und andere Walfangnationen zu Beginn der 64. Jahrestagung erneut ein Schutzgebiet für Wale im Südatlantik verhindert. Brasilien und Argentinien hatten in einer Initiative gefordert, dass in dem riesigen Gebiet nur noch Walbeobachtung möglich ist. "Das ist (…) keine Katastrophe für den Walschutz", relativierte Sandra Altherr von der Organisation 'ProWildlife'. "Denn in dem beantragten Gebiet findet keinerlei Walfang statt - und die Länder können in ihrer 200-Seemeilenzone ohnehin auf eigene Faust ein Schutzgebiet einrichten."

Japans Walfänger stechen wieder in See

Der kommerzielle Walfang ist eigentlich seit 1986 weltweit per Moratorium verboten - doch in der Praxis gibt es viele Schlupflöcher. Für Norwegen und Island ist das Übereinkommen nicht bindend, weil die Länder Einspruch beziehungsweise Vorbehalt erhoben haben. Japan deklariert seinen Walfang als wissenschaftliche Forschung. Auch dass das Fleisch nach der 'Untersuchung' verkauft wird, stellt keinen Verstoß gegen das Moratorium dar.

In Grönland dürfen die Ureinwohner per Sondergenehmigung für den Eigenbedarf auf Walfang gehen. Weil Dänemark für sein Außengebiet nun eine höhere Fangquote durchdrücken wollte, stand das Land bei der Tagung in Panama am Pranger. Doch der Antrag wurde abgelehnt. Dafür stimmten 25 Länder, 35 waren dagegen und drei enthielten sich der Stimme.

Walschützer zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis. "Alles andere als eine Absage an höhere Quoten für Grönland wäre ein Skandal gewesen", so Altherr von 'Pro Wildlife'. Dänemark habe hoch gepokert, aber verloren. "Es ist schockierend, dass Walfleisch in grönländischen Restaurants als Sushi, Carpaccio oder mit Tagliatelle in Tomatensauce gezielt an Touristen verkauft wird." Dies widerspreche einer Selbstversorgung von Ureinwohnern. "Es ist klare Geschäftemacherei mit streng geschützten Tieren."

Kritiker befürchteten im Falle einer Genehmigung des Antrages einen Dammbruch. Der EU-Abgeordnete Jo Leinen (SPD) sagte dazu: "Dieses Verlangen nach mehr Walfang wird sofort einen Dominoeffekt bringen." Fordere Dänemark höhere Quoten, könnten andere Walfangnationen nachziehen. Die Dänen wollten so die Tür für eine ausgeweitete Jagd öffnen.

Unterdessen sind in Japan ungeachtet internationaler Proteste Walfänger in See gestochen. Zwei Schiffe legten bereits vom Hafen Shimonoseki ab und nahmen Kurs Richtung Nordwest-Pazifik, wie japanische Medien meldeten. Sie waren erst Ende März von einem dreimonatigen Beutezug in der Antarktis zurückgekehrt.Die hatten Walfänger 267 statt der erhofften 850 Meeressäuger getötet und wurden dabei wiederholt Ziel von Störaktionen der Umweltschutzorganisation 'Sea Shepherd'. Im Nordwest-Pazifik gab es laut japanischen Medien bislang aber noch keine Zwischenfälle.

Während ihrer vom Steuerzahler finanzierten Jagd im Nordwest-Pazifik, die bis Ende August dauern soll, wollen die Japaner rund 260 Zwerg- und andere Wale töten. Tokio argumentiert außerdem, es würden keine bedrohten Walarten gejagt. Zudem sei der Walfang mit der Wildjagd in Europa vergleichbar - dabei essen die meisten Japaner gar kein Walfleisch.