Waldbrandzentrale: Bereits mehr Einsatztage als in Vorjahren

Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen (SPD) spricht zur Presse. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild
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08. Juli 2020 - 17:42 Uhr

Ein paar Dutzend Meter vom Weg entfernt steht Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) von Experten der Landesforsten begleitet mitten im Wald. Zwischen den Erläuterungen, als er Rückfragen stellt, sagt Weil: "Wald, das ist für mich auch Heimat." Im Waldgebiet Süsing bei Amelinghausen, sieht diese Heimat für das Laienauge noch weitgehend intakt aus. Kräftige Stämme, grünes Laub und junge Bäume, die dazwischen nachwachsen. Bei seiner Sommerreise am Mittwoch aber ist der Ministerpräsident nicht auf Erholungstour, eher auf Krankenvisite. Dem Wald in Niedersachsen nämlich geht es schlecht, der Klimawandel mit Dürre, Sturm und Starkregen und dazu noch der Borkenkäfer setzen den Beständen zu.

Erste Station ist die Waldbrandüberwachungszentrale in Lüneburg. Jahrzehntelang wachten die Landesforsten von Türmen und Flugzeugen aus über die Wälder in der Heide, im Nordosten Niedersachsens ist die Waldbrandgefahr besonders hoch, wie auch im angrenzenden Ostdeutschland. 2008 startete eine automatische Kameraüberwachung des 10.000 Quadratkilometer großen Gebiets. Beim ersten Zeichen von Rauch gibt es eine Alarmmeldung, wenn es tatsächlich brennt, ist die Feuerwehr sehr schnell zu Stelle. Der Projektleiter der Waldbrandzentrale, Helmut Beuke, sagt, dies sei ausschlaggebend, um Waldbrände erfolgreich zu bekämpfen.

Ministerpräsident Weil betont, dass die Waldbrandproblematik in den beiden vergangenen trockenen und heißen Jahren enorm zugenommen habe, das Thema bekomme eine politische Dimension. Auch der Harz und Südniedersachsen seien nun anders als früher stark davon betroffen. Forst- und Brandschutzexperte Beuke sagt, die automatisierte Überwachung der Wälder, wie sie von Lüneburg aus für Ostniedersachsen geschehe, sei für den Harz wegen der vielen Täler kaum geeignet. Allerdings seien die Überwachungsflieger von der Heide aus in diesem Jahr bereits öfter Richtung Harz geflogen.

Zweiter Stopp für den Ministerpräsidenten ist ein Wirtschaftsweg nahe Amelinghausen. Blaulicht, Feuerwehrwagen, Wehrmänner, die Schlauchverbindungen Richtung Wald legen, oben in der Luft der Feuerwehrflieger. Der Rauch, der aus dem Wald heraus über einen Acker zieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Wasserdampf. Mit einer Übung zeigt die Freiwillige Feuerwehr, mit welchem Material sie einem Waldbrand zu Leibe rückt. Bürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) erklärt vor Ort, was die Wehrleute mit teils museumstauglichen Feuerwehrautos in der Flächengemeinde alles leisten müssen. "Ohne sie ginge es gar nicht", lobt Weil die Feuerwehr - ein neuer Löschwagen für Amelinghausen sei bereits bestellt, sichert er zu.

"Der Borkenkäfer, das ist unser Corona", sagt der Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, Klaus Merker, ein paar Kilometer weiter im Süsing dem Ministerpräsidenten. Von einem befallenen Baum aus breite der Schädling sich schnell auf umstehende Bäume aus. Welche Baumtypen den Wald der Zukunft klimaresistenter machen sollen und wie das Aufforsten im besonders betroffenen Harz anläuft, erläutern die Experten vor Ort und mit Karten und Luftbildern. Und Merker erklärt Weil, dass auch viele andere Niedersachsen sich um den Heimatort Wald sorgen. Angesichts großflächiger Kahlflächen wollten viele, die sich meldeten, auch helfen.

Daraus sei die Idee einer Klimaaktie für die Landesforsten entstanden, sagt der Forstpräsident. Für den Preis pro Aktie von 10 Euro werden drei Quadratmeter lädierter Wald aufgeforstet. Die erste Aktie zum Nennwert von 100 Euro überhändigt Merker an Weil, dieser hat sie privat erstanden. "Unsere Generation wird nicht zu den gerechten Nutznießern gehören, unsere Enkel aber hoffentlich", sagt Weil. "Das hilft, über den finanziellen Ertrag hinaus."

Quelle: DPA