"Schickt sie zurück"

Wahlkampfrede von Donald Trump: Publikum hetzt gegen Abgeordnete

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18. Juli 2019 - 15:15 Uhr

Trump legt sich mit vier Frauen an

Frauen müssen für US-Präsident Trump vor allem eines sein: Hübsch anzusehen. Wenn sie dagegen eine eigene Meinung haben und ihn kritisieren, gefällt ihm das gar nicht. Das führte zum Streit mit vier jungen Abgeordneten. Der begann am vergangenen Wochenende und schwelt seitdem vor sich hin. Jetzt hat der Präsident wieder nachgelegt. Bei einer Wahlkampfrede hetzte er seine Anhänger gegen die kritischen Frauen auf.

Aber der Reihe nach: Die vier jungen Frauen hatten es gewagt, Trumps Politik zu kritisieren. Das gefiel diesem nicht besonders. Er twitterte, die Frauen sollten doch wieder da hingehen, wo sie herkommen und erst in ihren Heimatländern die dortigen Probleme lösen und dann zurückkommen. Das war schon leicht seltsam - denn die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez stammt aus Puerto Rico, das zu den USA gehört.

"Trump will nur ablenken"

Ayanna Pressley, Ilhan Omar, Rashida Tlaib, Alexandria Ocasio-Cortez
Ayanna Pressley, Ilhan Omar, Rashida Tlaib und Alexandria Ocasio-Cortez kritisieren Donald Trump.
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Rashida Tlaib wurde in den USA geboren und hat palästinensische Wurzeln. Die Afroamerikanerin Ayanna Pressley kommt aus Chicago. Nur Ilhan Omar kam im Ausland, in Somalia, zur Welt, wuchs aber ab ihrem zehnten Lebensjahr in den Vereinigten Staaten auf. Das Ergebnis von Trumps "Ratschlägen" war ein Aufschrei – viele warfen dem Präsidenten Rassismus vor.

Am Dienstag traten die vier gemeinsam vor die Presse. Trump habe sie rassistisch angegriffen, um von seiner "korrupten Regierung" abzulenken, wetterten sie. Omar und Tlaib foderten sogar, Trump aus dem Amt zu entfernen. Ein solches Verfahren hat aber keine Mehrheit im US-Kongress, wie sich gerade erst wieder gezeigt. Ein entsprechender Antrag fand keine Mehrheit.

Wahlkampfauftritt des Präsidenten löst Entsetzen aus

US-Abgeordnete Ilhan Omar
Donald Trump wirft Ilhan Omar vor, sich antisemitisch geäußert zu haben.
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Bei einer Wahlkampfrede hat Trump nun noch einmal die vier Frauen angegriffen. Er unterstellte ihnen, sie liebten die USA nicht und hätten nie etwas Gutes über das Land zu sagen. Deswegen sollten sie zurückgehen. Der Präsident nahm sich in der Rede jede der Frauen einzeln vor und attackierte dabei ganz besonders Omar, die als Kind mit ihrer Familie aus Somalia in die USA geflüchtet war. Der Präsident warf der 37-jährigen Muslimin vor, sich mehrfach antisemitisch geäußert zu haben. Das Publikum skandierte daraufhin: "Schickt sie zurück!".

Die Szene von Trumps Wahlkampfveranstaltung löste bei vielen Entsetzen aus. Das "American Jewish Committee" schrieb auf Twitter: "Dieser entsetzliche Sprechchor macht Amerika nicht großartig. Er erinnert uns vielmehr auf unheimliche Weise an eine dunkle Zeit in der Geschichte unserer Nation." Die demokratische Senatorin und Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris erklärte, der Vorfall sei bösartig, feige, fremdenfeindlich, rassistisch und ziehe das Präsidentenamt in den Schmutz.