Wahlen in Indien: Narendra Modi - Hoffnungsträger oder Extremist?

21. Mai 2014 - 19:14 Uhr

Narendra Modi ist Wirtschaftsexperte, aber auch ein Muslimhasser

In Indien ist der Aufstieg aus kleinen Verhältnissen kaum zu schaffen. Der Grund: Das Kastenwesen. Menschen werden in eine Kaste geboren, in der sie dann meist auch sterben. Sozialer Aufstieg? Schwierig. Einer hat es geschafft und jetzt greift er nach dem ganz großen Ding: Narendra Modi will Ministerpräsident in der größten Demokratie der Welt werden. RTL-Reporterin Raschel Blufarb berichtet über die gigantischen Wahlen in Indien.

Indien
Narendra Modi ist Wirtschaftsexperte, aber auch ein Muslimhasser.
© dpa, Str

70 Prozent der indischen Bevölkerung sind unzufrieden mit der jetzigen Regierung - die Probleme sind gravierend. Wasserknappheit ist eines der drängensten Probleme. Wenn der öffentliche Tankwagen in der Siedlung Sanjay bei Neu Delhi vorfährt, bricht fast der Krieg aus. Jeder füllt so viele Kanister, wie er tragen kann, bis der dünne Wasserstrahl versiegt.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft in Indien wie in fast keinem anderen Land der Welt auseinander. 750 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze - von gerade Mal 90 Cent am Tag. Fast 13 Millionen Kinder werden zur Arbeit gezwungen. Korruption zerfrisst das Land.

Modi verspricht das alles zu ändern. Der Mann von der Hindu Nationalistischen Oppositionspartei BJP ist Favorit bei der Wahl. Von seinen Anhängern wird er wie ein Popstar gefeiert. Modi gilt als Modernisierer. Aber er ist auch Hindu-Nationalist. Er regiert den Bundesstaat Gujarat und soll dort für Massaker an der muslimischen Minderheit verantwortlich sein. Und bald schon könnte er ganz Indien regieren.

Modis Anhänger glauben, er könnte die Wirtschaft des Landes nach vorn bringen und Arbeitsplätze schaffen, aber für Modus Gegner ist er schlicht ein radikaler Fanatiker, der vor allem den muslimischen Teil der Bevölkerung abgrundtief hasst.

Modi regiert den Bundesstaat Gujarat seit 13 Jahren - mit zweifelhaftem Erfolg. Zwar hat Modi internationale Konzerne hergeholt, hier gibt es das höchste Wirtschaftswachstum ganz Indiens, doch der Erfolg stinkt zum Himmel. Nur einige Kilometer entfernt leben Hunderttausende Muslime in Ghettos - in tiefster Armut ohne Zugang zu Bildung. Sie leben direkt neben einer brennenden Müllkippe, atmen giftige Dämpfe ein. Fast jeder hier hat Atemwegsinfektionen. "Wenn Modi kommt, wird das für uns Muslime ein Katastrophe", sagt ein Bewohner.