Wahl in Frankreich: Was bedeutet der Sieg von Emmanuel Macron für Deutschland?

"Ich werde euch mit Liebe dienen"

Europa atmet auf: Mit dem Wahlsieg von Emmanuel Macron hat Frankreich ein Zeichen gegen Rechtspopulismus und für ein geeintes Europa gesetzt. Bei der Stichwahl holte der parteilose Sozialliberale zwei Drittel der Stimmen. Mit 39 Jahren wird der Ex-Investmentbanker und Ex-Wirtschaftsminister der jüngste Präsident in der Geschichte Frankreichs. "Ich werde euch mit Liebe dienen. Es lebe die Republik, es lebe Frankreich", rief er seinen Anhängern zu. Macron will mit Demut regieren. Was bedeutet das für Deutschland?

Das Wahlergebnis ist eine Absage an Macrons Gegnerin, die Rechtspopulistin und EU-Gegnerin Marine Le Pen. Mit ihrem Sieg hätte einiges in frage gestanden: Die Europäische Union, der Euro und nicht zuletzt auch die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich.

Mit Macron zieht dagegen ein Mensch in den Elysée-Palast, der sich klar zu Europa bekennt, Frankreich radikal umbauen und wettbewerbsfähiger machen will. "Dass Macron gewonnen hat, ist in erster Linie gut für Deutschland, er hat sich zu einer guten Partnerschaft im Wahlkampf bekannt", so RTL-Reporter Jürgen Weichert, der die Wahl in Paris beobachtet hat.

Frankreich kämpft mit hoher Arbeitslosigkeit und schwachem Wirtschaftswachstum. Macron will das anpacken und die Unternehmenssteuer von 33 auf 25 Prozent senken. Gut für Deutschland, denn die Franzosen sind unsere wichtigsten Handelspartner. "Geht es der französischen Wirtschaft besser, dann geht es der deutschen Wirtschaft auch gut, das ist gut für die Exporte", sagt Weichert.

Es könnte für Deutschland teuer werden

Frankreichs künftiger Präsident hat bereits angekündigt, dass Europa ausgebaut werden muss. Eine klare Ansage, schließlich hat die EU die Erschütterungen der Finanz- und Schuldenkrise noch nicht überwunden, die Flüchtlingsfrage bereitet noch immer Schwierigkeiten und auch der Brexit steht noch bevor. Zumindest in finanzieller Hinsicht hat Ex-Investmentbanker Macron schon ganz konkrete Vorstellungen. Seine Forderung: "Ein europäischer Finanzminister muss her mit einem eigenen Budget. Und woher soll das Geld kommen? Da hat Macron schon angedeutet, dass die wirtschaftlich stärksten Partner diesen Topf füllen müssen - also Deutschland."

Es könnte also teuer werden für uns. Denn auch wenn Frankreichs Wahlsieger Merkels Wunschkandidat ist, vertritt er vornehmlich französische Interessen. "Macron kommt zwar so freundlich rüber, aber er kann auch knallhart sein", sagt Weichert.

Zuvor allerdings hat Macron vor der eigenen Haustür genug zu kehren. Er muss jetzt deutlich machen, mit welchem politischen Personal er arbeiten will, wer in seiner Regierung sitzen wird und wer seine Minister werden. Denn Macrons Bewegung 'En Marche' ist bis jetzt eine politische One-Man-Show. Um seine ambitionierten Pläne umzusetzen, braucht er aber eine stabile Mehrheit in der Nationalversammlung. Jetzt zählt es, in den nächsten Wochen mit seiner Bewegung seine Reformfreudigkeit unter Beweis zu stellen, um die Weichen für den Umbau seines Landes zu stellen.

Das ist nicht ohne Risiko: Sollte Macron scheitern, wäre das Wasser auf die Mühlen von Le Pen. Denn bei aller Euphorie darf nicht vergessen werden, dass viele Franzosen mit keinem der Kandidaten richtig warm werden konnten. Laut Demoskopen haben nur ein Drittel aus Überzeugung Macron gewählt. Ein weiteres Drittel der Franzosen hat nur mangels Alternativen für 'En Marche gestimmt' und das letzte Drittel hat Macron aus Abneigung gegen Marine Le Pen gewählt.