Delegierte erteilen Merz und Spahn Absage

Wahl des CDU-Vorsitzes: Annegret Kramp-Karrenbauer tritt Merkels Erbe an

Hamburg: Die CDU hat eine neue Chefin

Mit stehenden Ovationen haben die CDU-Delegierten sich am Freitagmorgen von ihrer langjährigen Vorsitzenden Angela Merkel verabschiedet. Nach 18 Jahren war es kein leichter Schritt für die Kanzlerin. Jetzt schlägt die Partei ein neues Kapitel auf: Die Delegierten wählten Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Chefin der Christdemokraten.

AKK siegt mit 51,75 Prozent in Stichwahl gegen Merz

Annegret Kramp-Karrenbauer waves with fellow candidates Jens Spahn and Friedrich Merz after being elected as the party leader during the Christian Democratic Union (CDU) party congress in Hamburg, Germany, December 7, 2018. REUTERS/Fabrizio Bensch
Wie eine Rockband seien sie durch Deutschland getourt, sagte Jens Spahn (l.).
MAT/PKP, REUTERS, FABRIZIO BENSCH

Annegret Kramp-Karrenbauer ist die neue Bundesvorsitzende der CDU. Die Delegierten des Parteitages in Hamburg wählten die bisherige CDU-Generalsekretärin mit knapp 52 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin von Angela Merkel, die aber Bundeskanzlerin bleiben wird. Für den früheren Unionsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz entschieden sich gut 48 Prozent der Delegierten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war im ersten Wahlgang ausgeschieden. Er erhielt 157 Stimmen und damit deutlich weniger als Kramp-Karrenbauer (450 Stimmen) und Merz (392 Stimmen).

Die neue CDU-Chefin nahm die Wahl an und bedankte sich für das Vertrauen - und bei Merz und Spahn für den fairen Wettbewerb. "Ein Wettbewerb, um den uns andere Parteien beneidet haben und der uns Auftrieb gegeben hat." Jetzt gelte es, aus der Union mit allen Flügeln, allen Mitgliedern und Verantwortlichen die Volkspartei der Mitte zu erhalten, sagte sie.

Annegret Kramp-Karrenbauer: "Wir sind das letzte Einhorn in Europa"

Annegret Kramp-Karrenbauer reacts after being elected as the party leader during the Christian Democratic Union (CDU) party congress in Hamburg, Germany, December 7, 2018. REUTERS/Fabrizio Bensch
Die neue CDU-Parteivorsitzende war nach ihrer Wahl den Tränen nahe.
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"AKK" waren schon im Vorhinein die besten Chancen auf den Chefposten eingeräumt worden. In ihrer Bewerbungsrede hatte sie die Partei zu mehr Mut und Selbstbewusstsein aufgerufen. Immer wieder wurde die 56-Jährige von kräftigem Beifall unterbrochen. Zum Zustand der Partei sagte Kramp-Karrenbauer, die CDU sei "das letzte Einhorn in Europa", weil sie die einzige große Volkspartei in Europa sei.

Friedrich Merz sagte nach seiner Niederlage: "Ich hätte natürlich heute gerne gewonnen." Gleichzeitig bat er all seine Wähler, ab sofort uneingeschränkt die neue Parteichefin zu unterstützen. Er sei dazu bereit, die Partei in den kommenden Jahren dort zu unterstützen, wo es gewünscht ist - allerdings wolle er nicht für das Parteipräsidium kandidieren.

Jens Spahn richtete ebenfalls einige Worte an Kramp-Karrenbauer und Merz. Man sei zusammen "wie eine Rockband" durch Deutschland getourt und habe sich gut kennengelernt. Es habe Spaß gemacht, er wolle gern im Team bleiben und fürs Präsidium kandidieren.

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Angela Merkel: "Es war mir eine Ehre"

Annegret Kramp-Karrenbauer is embraced by German Chancellor Angela Merkel after being elected as the party leader during the Christian Democratic Union (CDU) party congress in Hamburg, Germany, December 7, 2018. REUTERS/Fabrizio Bensch
Kanzlerin Angela Merkel gratulierte ihrer Favoritin für den Parteivorsitz nach der Wahl.
MAT/PKP, REUTERS, FABRIZIO BENSCH

Vor der Wahl der neuen Parteivorsitzenden wurde Merkel auf dem Parteitag in Hamburg feierlich als CDU-Chefin verabschiedet. Sie hielt eine Rede, in der sie für Einigkeit und Kompromisse in der Partei warb. Die CDU könne auch in diesen schwierigen Zeiten gute Ergebnisse erringen, "wenn wir geschlossen und entschlossen kämpfen", sagte sie.

"Jetzt ist es an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen", so Merkel unter dem Applaus der Parteivertreter. "Es war mir eine große Freude, es war mir eine Ehre", ergänzte die 64-Jährige.

Als Geschenk wurde Merkel von Volker Bouffier ein Taktstock des Dirigenten Kent Nagano überreicht, den dieser bei einem Konzert während des G-20-Gipfels in Hamburg im Juli 2017 benutzt hatte.