Eingriffe "medizinisch nicht dringend notwendig"

Texas und Ohio verbieten Abtreibungen während der Corona-Krise

Texas und Ohio haben alle "medizinisch nicht dringend notwendigen" Eingriffe verboten - dazu gehören auch Abtreibungen.
© picture alliance / ZB, Patrick Pleul

25. März 2020 - 10:44 Uhr

Ungewollt Schwangere in Ohio und Texas dürfen nicht mehr abtreiben

Um die Krankenhäuser während der Corona-Pandemie zu entlasten, werden in vielen Ländern alle medizinisch nicht dringend notwendigen Eingriffe verschoben. Die US-Bundesstaaten Texas und Ohio gehen dabei aber noch einen Schritt weiter. Sie haben auch Abtreibungen auf die Liste der nicht notwendigen Eingriffe gesetzt. Außer wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, dürfen darum dort bis auf weiteres keine Abtreibungen mehr durchgeführt werden.

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Bei Verstößen gegen das Verbot droht Texas sogar mit Gefängnisstrafen

"Alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen und alle Gesundheitseinrichtungen, Anbieter von Abtreibungen eingeschlossen, müssen sofort alle medizinisch nicht notwendigen Operationen und Behandlungen einstellen, um Ressourcen im Kampf gegen die Covid-19-Pandimie zu schonen", teilte der Generalstaatsanwalt von Texas mit. Wer sich nicht an die Auflagen hält und beispielsweise aktuell eine Abtreibung durchführt, ohne dass das Leben der Mutter in Gefahr ist, muss mit Geldstrafen oder sogar bis zu 180 Tagen Gefängnis rechnen.

Texas will mit diesen Maßnahmen Betten freihalten und dringend benötigte medizinische Schutzkleidung sparen, um besser auf eine Welle von Corona-Patienten eingestellt zu sein. Auch Ohio ergriff vergangene Woche schon ähnliche Maßnahmen, was zu Protesten von Frauenrechtsgruppen führte. In mehreren US-Bundesstaaten gibt es immer wieder Versuche, Abtreibungen zu verbieten. Die Aktivisten fürchten nun, dass die Corona-Krise nur als Vorwand genutzt wird, um das nun durchzusetzen.

Frauenrechtler sind empört über das faktische Abtreibungsverbot

"Es überrascht mich überhaupt nicht, dass dieser Staatsanwalt jede nur mögliche Ausrede findet, um seine ideologische Agenda durchzudrücken", erklärte Kathy Miller, Präsidentin des "Texas Freedom Networks". Sie ist der Meinung, dass auch Abtreibungen zur unerlässlichen medizinischen Versorgung gehören. "Es gibt viele Gründe, warum Frauen sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entscheiden", sagte sie. Das Zeitfenster, in dem das überhaupt möglich wäre, sei ohnehin schon stark begrenzt. "Eine Verzögerung bedeutet, ihnen das gesetzliche Recht zu nehmen, diese Entscheidung sicher und pünktlich mit der Hilfe ihrer Ärzte zu treffen." In Texas sind Abtreibungen bis zur 20. Woche legal, aber die Schwangeren müssen sich vorher über die Optionen beraten lassen, die sie haben, ohne das Kind abzutreiben.

Die USA sind schwer von der Corona-Krise betroffen. Experten fürchten, dass sie zum neuen Epizentrum der Pandemie werden könnten, wenn sich das Virus dort noch weiter ausbreitet. Nach China und Italien werden inzwischen aus den USA drittmeisten Infizierten gemeldet. 55.225 Mneschen haben sich mit Covid-19 angesteckt, 802 starben an der Krankheit (Stand: 25. März, 10 Uhr).

Auch in Deutschland fürchten Ärzte Einschränkungen bei Abtreibungen

In Deutschland sind Abtreibungen wegen der Corona-Krise noch nicht verboten. Trotzdem sind Ärzte besorgt, dass es auch hier für ungewollt schwangere Frauen schwieriger werden könnte, rechtzeitig uns sicher abzutreiben. Weil die Beratungsstellen nicht normal arbeiten können, käme es zu großen Einschränkungen, kritisierte die Gießener Ärztin Kristina Hänel. Auch in Deutschland müssen sich Frauen vor einem Abbruch beraten lassen.

Ein Netzwerk aus Ärzten, die Abtreibungen anbieten, und Verbänden wie Pro Familia fordert unter anderem, dass es möglich sein müsse, die Frauen auch per Telefon oder Videoschalte beraten zu können. Ansonsten müssten die vor den Eingriffen vorgeschriebene Pflichtberatung und die Wartefrist ausgesetzt werden. In Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bayern gebe es diese Beratungsmöglichkeiten bereits.

Abtreibungen auch zuhause mit telefonischer Beratung möglich?

Die Frauenärzte fürchten nicht nur, dass es wegen der Ausgangsbeschränkungen zu mehr häuslicher, sexueller Gewalt und dadurch auch zu mehr ungewollten Schwangerschaften kommen könne, sondern auch, dass Schwangere aus Verzweiflung zu unsicheren Abtreibungsmethoden greifen könnten. Dabei bestünde die "Gefahr von gesundheitlichen Schäden wie Entzündungen, Sterilität, Blutungen, bis hin zum Tod", erklärte Hänel.

Auch hier besteht zumindest theoretisch die Gefahr, dass ungewollt schwangere Frauen in Arztpraxen und Kliniken abgewiesen werden könnten, wenn die Corona-Krise weiter fortschreitet. Das Ärztenetzwerk forderte darum, dass der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch bis zur neunten Woche auch zuhause erlaubt werden müsse. Die Patientinnen könnten sich dabei telefonisch von einem Arzt begleiten lassen und müssen nicht extra in ein Krankenhaus fahren.