Klage gegen Pharmariesen

Wegen wachsender Männerbrust: Mann soll 7,3 Milliarden Euro Schadensersatz bekommen

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9. Oktober 2019 - 5:49 Uhr

Antidepressiva Risperdal mit Nebenwirkungen

Er wollte bloß seine autistischen Symptome behandeln und bemerkte dann eine wachsende Männerbrust. Nicholas Murray aus den USA nahm das Medikament Risperdal des Pharmakonzerns Johnson & Johnson ein, ohne zu wissen, dass es eine ziemlich unangenehme Nebenwirkung mit sich bringt. Weil das Unternehmen nicht darauf hinwies, klagte er.

Anspruch auf Strafschadenersatz

Schon vor vier Jahren entschied ein Gericht im Namen des Klägers und sprach ihm 1,75 Milliarden Dollar zu (circa 1,6 Milliarden Euro). Dabei handelte es sich zunächst um den regulären Schadenersatz. Im US-Recht haben Kläger als Zusatzsanktion aber noch das Recht auf einen sogenannten Strafschadenersatz. Genau der wurde ihm nun zugesprochen: Wie diverse US-Medien übereinstimmend berichten, seien es nun stolze 8 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro) die ihm zustehen.

Solch hohe Schadenersatzurteile sind in den USA durchaus üblich. Oft vergehen aber Jahre bis die Unternehmen die Summen auch tatsächlich auszahlen. Johnson & Johnson will das Urteil anfechten. In einer Pressemitteilung verkündete ein Unternehmenssprecher, dass die Entscheidung der Jury "in grober Weise unangemessen" sei.

Betroffener wurde in der Schule gemobbt

Das Medikament wurde im Jahr 1993 zur Behandlung von schweren psychotischen Störungen bei Erwachsenen zugelassen. Im Jahr 2006 erweiterte die amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde die Zulassung auch auf Kinder. Die Tabletten werden seither zur Behandlung von Schizophrenie, Depressionen, Alzheimer-Demenz und Verhaltensstörungen bei Kindern eingesetzt.

Murray nahm das Medikament schon zu seiner Schulzeit ein. Die wachsende Brust fiel nicht nur ihm, sondern vor allem auch seinem Umfeld auf. Als er das Medikament im Jahr 2008 absetzte, verlor er einige Pfunde, doch die Männerbrust blieb trotz sportlicher Aktivitäten. Vor allem in der Schule sei er dadurch gemobbt worden.

Wie es heißt liegen den Gerichten des US-Bundesstaates Philadelphia noch Zehntausende weitere Klagen im Zusammenhang mit dem Medikament vor. Auch in Deutschland werden die Filmtabletten verkauft. In der Packungsbeilage steht unter "gelegentlichen Nebenwirkungen" mittlerweile der Punkt "Brustbildung bei Männern". Die Nebenwirkung würde bei 1 von 100 Behandelten eintreffen.