Nach jahrelangem Streit um sein Schicksal

Frankreich: Wachkomapatient Vincent Lambert ist tot

© deutsche presse agentur, dpa

18. Juli 2019 - 9:32 Uhr

Rechtliches Tauziehen um Leben oder Tod

Das Schicksal von Vincent Lambert ist tragisch: Rund zehn Jahre lag der heute 42-Jährige nach einem Unfall im Wachkoma. Über die Frage, ob er leben oder sterben soll, war die Familie tief zerstritten. Nach dem Behandlungsstopp vor mehr als einer Woche ist er jetzt gestorben.

Frankreichs bekanntester Wachkomapatient

Zuvor hatte es ein dramatisches juristisches Tauziehen um die Einstellung der künstlichen Ernährung gegeben. Der tragische Fall hat nicht nur Lamberts Familie zerrissen, sondern auch Frankreich gespalten.

Lambert war vor rund zehn Jahren bei einem Verkehrsunfall verunglückt und hatte sich schwer am Kopf verletzt. Er ist seitdem in einer Art Wachkoma. Die katholischen Eltern wollten den Tod ihres heute 42 Jahre alten Sohnes mit aller Macht verhindern und klagten sich erfolglos durch alle Instanzen. Sie scheiterten in Frankreich immer wieder vor Gericht und auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Lamberts Ehefrau kämpfte hingegen dafür, dass ihr Mann sterben darf.

Fall beschäftigte Gerichte

Zuletzt hatte Frankreichs oberstes Gericht nach einem zermürbenden Rechtsstreit den Weg für einen erneuten Stopp der Behandlung von Lambert freigemacht. Erst im Mai war seine Behandlung gestoppt worden. Wenige Stunden später jedoch hatte ein französisches Berufungsgericht die Wiederaufnahme angeordnet. Dann kündigten Lamberts Eltern an, nicht weiter juristisch gegen den Behandlungsstopp vorzugehen.

Diskussion um Sterbehilfe

Viviane Lambert, die Mutter des Wachkomapatienten Vincent Lambert, kämpfte lange dafür, dass ihr Sohn weiterleben kann.
Viviane Lambert, die Mutter des Wachkomapatienten Vincent Lambert, kämpfte lange dafür, dass ihr Sohn weiterleben kann.
© REUTERS, Benoit Tessier, /FW1F/mark heinrich

In Frankreich wie in Deutschland können lebensverlängernde Maßnahmen beendet werden, wenn dies dem klaren oder dem mutmaßlichen Wunsch des Patienten entspricht. Aktive Sterbehilfe, also einem Menschen ein tödlich wirkendes Mittel zu verabreichen, ist in Deutschland und Frankreich wie in den meisten europäischen Ländern verboten.