Das sagt Profiler Axel Petermann zur Tat

Wachkoma-Patientin vergewaltigt: Kann ein DNA-Test zum Täter führen?

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28. Mai 2019 - 14:44 Uhr

von Valerie Dörner

Der Fall löst Entsetzen aus: In den USA ist eine Wachkoma-Patientin vergewaltigt worden, die daraufhin ein Kind zur Welt brachte. Die Behörden versuchen mit Hochdruck, den Täter zu finden – auch, um mögliche weitere Opfer zu identifizieren. Angehörige von anderen Patienten der Klinik sind schockiert, haben Angst, dass auch ihre Familienmitglieder betroffen sind. Schließlich könnte es sich beim Täter um einen Pfleger handeln, der in der Einrichtung arbeitet. Wir haben den renommierten Profiler Axel Petermann zu dem Fall befragt: Kann ein DNA-Test wirklich zum Täter führen? Und was für ein Mensch macht so etwas überhaupt?

Täter könnte Angestellter der Klinik oder Familienmitglied sein

Profiler und Autor Axel Petermann sitzt in seinem Haus an einem Tisch. (zu dpa "Ermittler schreiben Krimis: Authentisch, aber auch spannender?" vom 02.01.2019) Foto: Carmen Jaspersen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Axel Petermann ist ehemaliger Kriminalkomissar und einer der renommiertesten Profiler Deutschlands. Er ist außerdem Autor und regelmäßig als Berater und Experte für die Presse unterwegs.
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​"Der Täter ist sehr sorglos vorgegangen. Er hat sich ja nicht einmal Gedanken darüber gemacht, dass die Frau schwanger werden könnte", erzählt Petermann im RTL-Interview. "Er muss sich sicher gewesen sein, nicht erwischt zu werden. Das heißt, er muss auch die Gelegenheit gehabt haben, die Tat zu vollziehen, ohne gestört zu werden. Das spricht für ein Mitglied des Personals der Klinik. Womöglich könnte es sogar mehrere Täter geben." 

Aber auch ein Familienmitglied oder womöglich sogar ein völlig Fremder komme infrage, je nachdem, wie die Gegebenheiten in der Klinik seien. "Gibt es feste Besuchszeiten oder eine Einlasskontrolle in der Klinik? Liegt die Person in einem Einzelzimmer? Das alles kann zur Ermittlung des Täters wichtig sein", meint der Profiler.

DNA-Probe kann schnell zum Täter führen

Von solchen Details kann es auch abhängen, wie schnell die Polizei den Täter findet. Kommen nur wenige Personen als Täter infrage, lässt sich mit Hilfe eines DNA-Tests rasch der Täter ermitteln. Bei dem Test wird das Erbgut des Babys mit dem möglicher Erzeuger verglichen. So ein Test dauert in der Regel nur wenige Tage. Voraussetzung dafür: Alle Personen geben eine Probe ab. Dies sei beispielsweise in Deutschland aber leider nicht immer gewährleistet. "Bei sogenannten DNA-Massentests gibt es immer Personen, die eine Probe ablehnen. Falls das passiert, muss erst ein konkreter Verdacht vorliegen, um eine Probe gegen den Willen des Verdächtigen zu erhalten", erzählt Petermann. In den USA verhält es sich ähnlich. Das verzögert den Prozess natürlich.

Häufig werden schutzbedürftige Menschen zu Opfern, weil sie sich nicht wehren können

Dass eine Komapatientin Opfer einer Straftat wurde, ist leider kein Einzelfall. Laut Petermann suchen sich Straftäter immer wieder gezielt hilflose Personen, die sich nicht gegen die Taten wehren und auch niemandem von ihrem Leid erzählen können. Auch in Deutschland gab es solche Fälle bereits mehrfach – Pflegebedürftige wurden von ihren Betreuern misshandelt oder im Falle von "Todespfleger" Niels Högel sogar getötet.