RTL-Spurensuche bei Angehörigen in der Klinik

Wachkoma-Patientin bringt Baby zur Welt: Wie konnte es so weit kommen?

8. Januar 2019 - 14:03 Uhr

Warum bemerkte niemand etwas?

Eine Frau, die seit über zehn Jahren in einer Pflegeeinrichtung im Wachkoma liegt, wird vergewaltigt. Neun Monate später bringt sie ein Kind zur Welt. Dieser unglaubliche Fall aus den USA, der kürzlich ans Tageslicht kam, wirft viele Fragen auf: Wie konnte es so weit kommen? Warum bemerkte niemand aus der Pflegeeinrichtung, dass die Frau schwanger ist? Wurden eventuell weitere Menschen missbraucht? Und vor allem: Wer ist der Täter, und wie lange konnte er unbehelligt weitermachen?

Angehörige der anderen Patienten sind in Angst

Diese Fragen stellen sich auch die Angehörigen der anderen Patienten in der Pflegeeinrichtung "Hacienda Healthcare" in Phoenix, Arizona. "Das Vertrauen wurde gebrochen, jetzt ist keines mehr da", sagt die Mutter einer Patientin dem Fernsehsender CBS News. "Ich verstehe das nicht, sie war doch im neunten Monat schwanger, hätte einen Bauch bekommen müssen. Irgendetwas stimmt da nicht", erzählt uns auch der Ehemann einer Patientin. Das ganze Gespräch, das unsere Reporterin Christina Endruschat mit dem Mann geführt hat, ist in unserem Video zu sehen.

Kann ein DNA-Test den Täter ermitteln?

Die amerikanischen Behörden suchen weiterhin mit Hochdruck nach dem Täter, doch bislang werden erste Ermittlungsergebnisse unter Verschluss gehalten. Ein DNA-Test mit allen männlichen Angestellten der Firma und auch mit der Familie des Opfers könnte jedoch schnell Klarheit bringen. Die US-Ermittler müssen auch klären, ob die anderen Angestellten wirklich nichts von der Schwangerschaft wussten – oder ob sie bewusst geheimgehalten wurde, um dem Ruf der Pflegeeinrichtung nicht zu schaden. Deren Geschäftsführer ist mittlerweile zurückgetreten.

Menschen mit Behinderung sind besonders gefährdet, zu Missbrauchsopfern zu werden

Für Tasha Menaker von der Organisation "Arizona Coalition", die sich um die Opfer von sexueller und häuslicher Gewalt kümmert, ist der Fall aus Phoenix definitiv der schlimmste, den sie bisher gesehen hat. Doch Übergriffe auf Behinderte sind leider keine Seltenheit. "Für Menschen mit Behinderung besteht ein dreimal so hohes Risiko, Opfer sexueller Gewalt zu werden, wie für Menschen ohne Behinderung", erzählt sie im Interview. Die Täter nutzten die Hilflosigkeit der Opfer aus, sie seien oft Bekannte der Opfer. Da die Opfer sich nicht wehren und auch niemandem von den Taten erzählen könnten, blieben die Grausamkeiten oft unentdeckt. Deshalb sei es auch schwierig für Einrichtungen, potentielle Täter schon im Vorhinein auszusortieren und gar nicht erst einzustellen.