„Hart aber fair“

VW-Vorstand lebt so schmutzig wie 120 Normalos

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26. März 2019 - 10:18 Uhr

Herbert Diess möchte seinen Ausstoß um 20 Prozent verringern

Herbert Diess bläst nach eigenen Angaben pro Jahr so viel CO2 in die Luft wie 120 Durchschnittsbürger: "Diess hat einen CO2-Abdruck von 1300 Tonnen", sagte der VW-Vorstandsvorsitzender bei "Hart aber fair" über sich selbst. Im Schnitt verpesten wir die Luft pro Kopf "nur" mit elf Tonnen CO2 pro Jahr. Schuld sei das viele Fliegen, so Diess. Immerhin: "Ich möchte meinen Ausstoß um 20 Prozent verringern."

Darüber wurde diskutiert

Jeden Freitag gehen bei "Fridays for Future" bis zu 300.000 Menschen alleine in Deutschland auf die Straßen, um Politik und Wirtschaft für den Klimawandel zu sensibilisieren. Im Montagabendtalk wollte Moderator Frank Plasberg von seinen Gästen wissen, wie radikal wir unsere Lebensgewohnheiten verändern müssen, um den Klimawandel zu stoppen.

Die Gäste und ihre wichtigsten Aussagen

Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin: "Die Politik ist gefordert, klare Rahmenbedingungen zum Klimaschutz zu setzen. Heute ist es für Menschen schwierig, CO2 zu vermeiden - und das muss die Politik einfacher machen. Fliegen ist heute sehr, sehr billig - aber es hat nicht den klaren Preis, den es klimatechnisch kostet."

Markus Lanz, TV-Moderator: "Wir kuscheln uns gemeinsam durch diese Klimadebatte, das kann es ja nun nicht sein. Was war denn in all den Jahren davor? Man weiß nie genau, ob diese Umarmung nicht in Wahrheit ein Würgegriff ist."

Luisa Neubauer, Klimaaktivistin: "Wir sehen eine Bundesregierung, die seit Jahrzehnten hehre Ziele beschließt und sie dann immer wieder grandios verfehlt. Wir brauchen eine Bundesregierung, die beweist, dass wir in diesem Land in der Lage sind, internationale Abkommen einzuhalten."

Ulf Poschardt, "Welt"-Chefredakteur: "Die Frage muss sein, wie man Elektroautos emotionalisiert. Mir fehlt da noch die Seele."

Herbert Diess, VW-Vorstandsvorsitzender: "Wir glauben, dass die individuelle Mobilität CO2-frei möglich ist. Wir haben schon viel Geld ausgegeben und eine Strategie, die sich nicht nur aufs Auto beschränkt: Zum Beispiel bauen wir unser Kohlekraftwerk auf Gas um, das wird eine ganze Menge bringen, so viel wie 78.000 Autos.

Das Fazit

Diese Klimadiskussion kam unerwartet erfrischend daher: Auf der einen Seite gab sich VW-Vorstand Diess nach dem Dieselskandal geläutert und bekräftigte den Willen zu einer radikalen Kurswende. Auf der anderen Seite durften sich die Zuschauer über den Schlagabtausch zwischen "Welt"-Chef Poschardt und Klimaaktivistin Neubauer freuen: Die erst 22 Jahre alte Studentin faltete den "alten, weißen Mann nach allen Regeln der Kunst zusammen. Schön anzuschauen!