VW sucht Nachfolger nach Winterkorns unrühmlichem Abgang - Gerüchte um BMW

28. September 2015 - 10:30 Uhr

Gerüchte um BMW

Das Vertrauen erschüttert, das Geld möglicherweise weg und Ärger ohne Ende. Volkswagen ist nach dem Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn weiter um Schadensbegrenzung im Abgas-Skandal bemüht. Doch am Donnerstagmorgen kam schon die nächste, fast erwartete Hiobsbotschaft: Von den Manipulationen bei Abgasmessungen an Dieselfahrzeugen bei Volkswagen sind auch Autos in Europa betroffen.

VW Abgas-Skandal
Unrühmlicher Abgang des Konzernlenkers Martin Winterkorn.
© dpa, Ole Spata

Das sei der von ihm eingesetzten Untersuchungskommission am Mittwoch bei ersten Gesprächen in Wolfsburg mitgeteilt worden, sagte Dobrindt in Berlin.

Um wie viele Autos es genau gehe, stehe noch nicht fest. "Das wird sich in den nächsten Tagen klären." Dobrindt betonte: "Wir werden deswegen auch weiterhin intensiv daran arbeiten, gemeinsam mit Volkswagen genau herauszufinden, um welche Fahrzeuge es sich im Detail handelt, um auch die Öffentlichkeit weiter darüber zu informieren." Seinen Angaben zufolge geht es um Fahrzeuge mit 1,6- und 2-Liter-Dieselmotoren.

Der Autobauer BMW steht offenbar auch unter Beschuss. Die Münchner wiesen einen Bericht über angebliche Manipulationen von Werten bei Abgastests zurück. "Grundsätzlich gilt: Bei der BMW Group wird nicht manipuliert, und wir halten uns selbstverständlich in jedem Land an die gesetzlichen Vorgaben und erfüllen alle lokalen Testvorgaben", erklärte das Unternehmen. Zuvor waren die Aktien des Autobauers auf Talfahrt gegangen, nachdem 'Auto Bild' berichtet hatte, dass nicht nur VW-Dieselautos von Grenzwert-Überschreitungen bei Abgastests betroffen gewesen seien. So habe der BMW X3 xDrive 20d bei einem Straßentest des International Council on Clean Transportation (ICCT) den Euro-6-Grenzwert für Stickoxid um über das Elffache überschritten.

Schummeln 'Made in Germany' - Regierung wird Kumpanei vorgeworfen

Winterkorn hatte am Mittwoch angesichts des enormen Ausmaßes der Affäre seinen Posten geräumt. Über seinen Nachfolger will der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung an diesem Freitag beraten.

Die Aufarbeitung des Debakels werden den Nachfolger und den Konzern aber noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Die Folgen der Manipulationen von Abgaswerten bei Dieselautos sind noch immer nicht absehbar. Europas größter Autobauer hatte zuvor zugegeben, dass weltweit elf Millionen Motoren mit einer Software ausgestattet sind, um die Messung des Schadstoffausstoßes zu manipulieren.

"Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren", heißt es in der Rücktrittserklärung Winterkorns, der er nur verlesen ließ. Er übernehme die Verantwortung "im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin", ließ er sagen. Insgesamt wenig souverän, der Rücktritt.

Über den Skandal ist die ganze Industrie ins Zwielicht geraten. VW drohen neben strafrechtlichen Konsequenzen Regressansprüche und Strafzahlungen in Milliardenhöhe. In vielen Ländern beschäftigt der Skandal die Politik, Sonderprüfungen werden verlangt oder wurden bereits verordnet. Zudem steht auch die Frage im Raum, ob andere Hersteller ebenfalls bei der Abgasmessung getrickst haben könnten.

Die Grünen im Bundestag fordern von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine Überprüfung auch anderer Hersteller. "Er muss nicht nur gegen VW vorgehen. Im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung muss er auch Modelle von anderen Herstellern prüfen lassen", sagte die Vorsitzende des Umweltausschusses, Bärbel Höhn, der 'Saarbrücker Zeitung'.

Zugleich warf Höhn Regierung und Industrie "Kumpanei" vor. So habe die EU vor einigen Jahren auch Deutschland aufgefordert, "die Nutzung der sogenannten Abschaltvorrichtungen durch Autohersteller unter Strafe zu stellen. Nach meiner Kenntnis ist das nicht passiert", sagte Höhn dem Blatt.

Auf den Volkswagen-Konzern kommt Medienberichten zufolge wegen der Manipulationen eine Flut von Sammelklagen in den USA und Kanada zu. Rund 40 solcher Klagen sind dort nach Informationen des NDR und der 'Süddeutschen Zeitung' bereits bei Gerichten eingereicht worden. Kläger sind demnach vor allem private Autokäufer, in einem Fall auch ein Autohändler. Die Käufer sehen sich in Sachen Umweltfreundlichkeit von VW getäuscht.

Getäuscht, das Vertrauen eingebüßt, für einen Autobauer ein enormer Schaden. "Es braucht nur ein paar Tage, um das Vertrauen in den Autokonzern zu erschüttern, der als Inbegriff deutscher Solidität gegolten hat, seit der erste Käfer in den 1930er Jahren vom Band gerollt ist", schreibt die dänische Zeitung 'Politiken'.