Angehörige verklagen Leitung

Starb Therese (†75) an Covid-19, weil im Heim geschlampt wurde?

„Meine Mutter könnte auf jeden Fall noch leben“, sagt Angelika Feuser.
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24. Februar 2021 - 10:30 Uhr

„Meine Mutter könnte auf jeden Fall noch leben"

"Meine Mutter könnte auf jeden Fall noch leben", sagt Angelika Feuser. Sie steht vor dem Pflegeheim Maria Hilf in Bornheim (NRW). Hier wurde ihre Mutter Therese Göbbels (†75) am 5. Januar positiv auf Corona getestet. Neun Tage später war sie tot. Für Feuser steht fest: Die Heimleitung und das Pflegepersonal haben fahrlässig gehandelt. Jetzt hat sie einen Anwalt eingeschaltet.

"Da kann man nur noch Wut haben"

18 Bewohner des Heims starben bislang mit dem Virus. Dies liege auch an den Zuständen in der Einrichtung, beklagt Feuser. Am 22. Dezember habe es eine Weihnachtsfeier gegeben, obwohl auf der Etage ihrer Mutter bereits Corona-Fälle bekannt gewesen seien. "Das kann ich nicht verstehen, wenn eine Woche vor Weihnachten schon Corona-Fälle aufgetreten sind. Am Tag nach der Feier sind zwei Pfleger in Quarantäne geschickt worden. Wie kann man die Menschen so in Gefahr bringen?"

Therese Göbbels hatte mehrere Vorerkrankungen, litt an der chronischen Lungenerkrankung COPD und einer Herzinsuffizienz. Dann der Schock: Sie wurde positiv auf Corona getestet. "Kind, ich habe Angst", habe ihre Mutter ihr gesagt, so Feuser. "Ich habe so Angst vor Corona und jetzt bin ich positiv." Wenige Tage später war sie tot. Auch Angehörige anderer Heimbewohner hätten schlechte Erfahrungen gemacht. "Innerhalb von 14 Tagen sind so viele Menschen hier gestorben, da kann man nur noch Wut haben", sagt sie. "Vom Heim kam bis heute gar nichts."

Pflegeheim: Mitarbeiter haben nach Hygiene-Konzept gehandelt

Therese Göbbels infizierte sich im Heim mit Corona, wenig später war sie tot.
Therese Göbbels infizierte sich im Heim mit Corona, wenig später war sie tot.
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Das Pflegeheim äußerte sich auf RTL-Anfrage zu den Vorwürfen: "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflege-Einrichtung haben zu jeder Zeit nach dem gültigen Hygiene-Konzept gehandelt […]. Weihnachtsfeiern im herkömmlichen Sinne haben keine stattgefunden."

Feuser und ihre Familie nahmen sich einen Anwalt, verklagen die Heimleitung auf Schadenersatz. "Es gibt noch keine vergleichbaren Urteile zum Thema Corona", sagt Dr. Alexander Lang von der Würzburger Kanzlei Steinbock. Der Fachanwalt für Medizinrecht vertritt schon über 20 ähnliche Fälle und sieht gute Chancen, weil die Situation ähnlich wie im Falle eines Krankenhauskeimes sei. "Da ist es so, dass dann zunächst das Heim darlegen muss, was war denn eigentlich der Hygieneplan und dann nachweisen muss, dass das auch eingehalten wird."

Angelika Feuser ist vor allem eins wichtig: "Ich klage nicht wegen des Geldes. Ich kämpfe für alle Patienten in Pflegeeinrichtungen. Ich kämpfe dafür, Pflegeheime die Corona-Maßnahmen ernst nehmen und auch ernst umsetzen. Dann könnte auch meine Mutter noch leben."