Vorstoß für Verbot der Sterbehilfe spaltet die Bevölkerung

© dpa, Oliver Berg

5. August 2012 - 18:45 Uhr

Diskussion um Sterbehilfe

Wieder schlägt eine Diskussion um die Sterbehilfe in Deutschland hohe Wellen: Auslöser ist der Vorschlag von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zur kommerziellen Sterbehilfe - dieser spaltet die Gesellschaft.

49 Prozent der Bürger befürworten sie, 41 Prozent sprachen sich in einer von 'Bild am Sonntag' in Auftrag gegebenen Emnid-Umfrage dagegen aus. Mit einer Hilfe für Sterbewillige durch nahestehende Ärzte und Pfleger sind 47 Prozent der Befragten einverstanden, 45 Prozent lehnen sie ab.

Bislang gibt es eine rechtliche Grauzone: Beihilfe zur Selbsttötung steht nicht unter Strafe, Tötung auf Verlangen dagegen schon. Der vor wenigen Tagen bekanntgewordene Gesetzentwurf von Leutheusser-Schnarrenberger sieht ein Verbot der kommerziellen Sterbehilfe vor. Sterbebegleitung soll aber für Angehörige sowie Ärzte und Pfleger, die dem Sterbewilligen schon lange nahe stehen, zulässig sein.

Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU), forderte eine Klarstellung: "Ärzte oder Pflegepersonal dürfen sich nicht am Geschäft mit dem Tod beteiligen", sagte er der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung'. Dies müsse "im Sinne der Ärzte in dem neuen Gesetz über eine Bestrafung der kommerziellen Sterbehilfe entsprechend klargestellt werden".

Parlamentarier sollten frei entscheiden können

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, sprach sich dafür aus, Sterbehilfe durch eine bessere Schmerztherapie ganz überflüssig zu machen. Statt über eine gesetzliche Ausweitung der Sterbehilfe zu diskutieren, müsse die Gesellschaft Alternativen zur Sterbehilfe anbieten - etwa durch einen massiven Ausbau der Palliativ- und Schmerzmedizin, sagte er der 'Passauer Neuen Presse'.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hält es für "widersinnig", wenn einerseits gewerbsmäßige Sterbehilfe verboten werde, Ärzte gleichzeitig aber doch Beihilfe leisten dürften. Abgeordnete von SPD, FDP und Linkspartei sprachen sich dafür aus, den Fraktionszwang bei der Abstimmung aufzuheben. Bei einem so sensiblen Thema müsse jeder Parlamentarier frei entscheiden können.