Vorsicht vor Antibiotika: Zahl der Todesfälle durch multiresistente Keime steigt

03. Juni 2015 - 13:21 Uhr

Übermäßige Einnahme von Antibiotika wird zu Gefahr

Laut einer Studie der Berliner Charité im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion wird sich die Zahl der jährlichen Toten durch multiresistente Keime bis 2050 drastisch erhöhen, wenn es nicht zu einem erheblichen Umsteuern beim Einsatz von Antibiotikum kommt. Die gefährlichen Keime, die vor allen Dingen in Krankenhäusern zu finden sind, entstehen durch übermäßige oder überflüssige Einnahmen von Antibiotika. Durch die wiederholte Einnahme des Medikaments kann es nämlich passieren, dass sich im Körper des Patienten Bakterien bilden, die mit der Zeit resistent gegenüber den Bakterien eines Antibiotikums werden, und somit im Falle einer Krankheit nur noch schwer zu bekämpfen sind.

Keime
Ohne stärkere Antibiotika-Kontrollen soll die Zahl der Todesfälle durch multiresistente Keime 2050 bei 10 Millionen Menschen jährlich liegen.

Experten warnen, dass die Zahl der Toten durch multiresistente Keime jährlich von 700.000 Menschen auf zehn Millionen Tote weltweit im Jahr 2050 ansteigen würde, wenn man den Einsatz von Antibiotika nicht gewissenhafter kontrolliert. Diesen Zahlen liegen Schätzungen der britischen Regierung von 2014 zugrunde in der Annahme, dass keine Maßnahmen gegen die Entstehung von multiresistenten Keimen im Körper eingeleitet würden.

Mehr Tote durch Keime als durch Krebs

Diese Schätzung bedeutete, dass weltweit mehr Menschen durch multiresistente Keime als durch Krebs sterben würden. In Europa würde die Zahl der Toten von 23.000 auf 400.000 Menschen pro Jahr ansteigen. 15.000 Menschen sterben jetzt schon in Deutschland jährlich, da sie sich im Krankenhaus Infektionen zuziehen, bei denen ein Zehntel der Keime multiresistent ist.

Laut 'Bild' neigen Patienten häufig dazu, sich von ihrem Arzt ein Antibiotikum verschreiben zu lassen, in der Hoffnung mit Hilfe dieses Medikaments schneller gesund zu werden. Dabei wird häufig vergessen, dass Antibiotika zum Beispiel nur Bakterien und keine Viren bekämpfen können und die Anwendung dieses Medikaments somit bei Virusinfektionen völlig überflüssig ist. Laut mehrerer Studien lassen sich 90 Prozent aller Ärzte aber von ihren Patienten zu dem Verschreiben eines Antibiotikums überreden, auch wenn es nicht notwendig ist. Elisabeth Meyer vom Charité-Institut für Umweltmedizin und Hygiene in Berlin geht davon aus, dass etwa 30 Prozent aller Antibiotika in der Humanmedizin nicht notwendig sind.

Die 'World Health Organization' (WHO) will dazu ein globales Aktionsprogramm starten. Auch beim G7-Treffen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Thema auf die Agenda gesetzt. Die Grünen-Partei im Bundestag wirft der Bundesregierung vor, sie würde zu wenig gegen den Antibiotika-Missbrauch in der Massentierhaltung tun. "Für Menschen überlebenswichtige Reserveantibiotika müssen im Stall sofort verboten werden", forderte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Denn auch durch die Berührung mit Antibiotika in der Tierhaltung kann der menschliche Körper multiresistente Keime entwickeln, die sich im Falle einer ernsten Krankheit durch ihre Resistenzbildung nicht mehr durch Antibiotika bekämpfen lassen.