Nicht nur für Alte, Kinder und Schwangere lebensgefährlich

Das macht die extreme Hitze mit unserem Körper

Extreme Hitze ist eine Kampfansage an den Körper. Vorsicht ist geboten, es droht Lebensgefahr!
Extreme Hitze ist eine Kampfansage an den Körper. Vorsicht ist geboten, es droht Lebensgefahr!
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16. Juni 2021 - 16:08 Uhr

Wärme-Wand ist eine Kampfansage an den Körper

Es ist wieder heiß in Deutschland – die erste Hitzewelle 2021 erfasst das Land. Die Wärme-Wand wird dabei zu einer Kampfansage an den Körper. Wie reagiert er auf diese Temperaturen? Und was ist mit Menschen, die bei diesen Temperaturen draußen auch noch körperlich hart arbeiten müssen? Wann wird es für uns Menschen richtig gefährlich?

Extreme Sommer werden immer extremer werden

Hitzesommer sind gekommen, um zu bleiben. So kurz und knapp könnte man zusammenfassen, was der Deutsche Wetterdienst (DWD) im vergangenen Jahr in einer Pressemitteilung bekannt gab. "Was früher ein extrem heißer Sommer war, ist heute ein normaler (durchschnittlicher) Sommer", hieß es dort Anfang Juli. Dazu die Warnung: Diese Entwicklung werde sich fortsetzen, sodass "Sommer, die heute für uns extrem heiß sind, Ende des Jahrhunderts der Normalfall sein werden". Die Folge: Extreme Sommer werden dann eben noch extremer sein. So schön ein warmer Sommer auch sein mag – das sind keine guten Wetter-Aussichten.

Bei Hitze werden die inneren Organe schlechter durchblutet

Bei einem Sonnenstich heizt sich das Gehirn durch die Sonneneinstrahlung so stark auf, dass das Hirngewebe anschwillt.
Bei einem Sonnenstich heizt sich das Gehirn durch die Sonneneinstrahlung so stark auf, dass das Hirngewebe anschwillt.
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Viele Auswirkungen von Hitzewellen seien noch nicht genau erforscht, erklärt Wissenschaftsjournalistin Katja Trippel im Interview mit dem RND. Und unter Hitze leiden auch gesunde Erwachsene. Durch Hitze-Wetter wird die Durchblutung der inneren Organe heruntergefahren, was den Magen-Darm-Trakt anfälliger für Infektionen macht. "Die große Mehrheit gesunder Menschen kann auch nachts bei Hitze nicht gut schlafen und ist am nächsten Tag noch weniger fit. Dazu kommen Kopfschmerzen oder vielleicht sogar Schwindel", sagt Trippel.

Ein Drittel aller Hitzetoten geht laut einer neuen Studie auf das Konto der globalen Erwärmung. Laut dem Papier sind es in Athen jährlich rund 190 Menschen, die durch Klimaveränderungen sterben, in Madrid 180, in Bangkok 150 und in London 80. Und die Liste ist noch länger. Aber wenn wir über Hitze und deren Folgen sprechen, dann denken wir oft erst einmal an die verletzlichsten Mitglieder der Gesellschaft: Vor allem ältere, chronisch kranke oder pflegebedürftige Menschen, Kleinkinder und Schwangere seien durch die Hitzebelastung gefährdet, sagte zum Beispiel Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher.

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Menschen mit Atemwegserkrankungen besonders bedroht

"Früher dachte man, davon sind vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen betroffen. Aber inzwischen weiß man, dass das für Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma sogar noch viel dramatischer ist", erklärt Wissenschaftsjournalistin Katja Trippel im Interview mit dem RND. Sommerliche Hitzewellen erhöhen das zusätzliche tägliche Sterberisiko von Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen um bis zu 14 Prozent - bei längeren Hitzewellen sogar bis zu 43 Prozent, sagt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). An heißen Tagen komme es auch häufiger zu teils lebensbedrohlichen Verschlechterungen im Krankheitsverlauf, die im Krankenhaus behandelt werden müssten. Die Gesellschaft empfiehlt daher sogar, Frühwarn- und Interventionssysteme zu erarbeiten und Lungenpatienten während der Sommermonate telemedizinisch zu betreuen.

Auch normale Erwachsene ohne Vorerkrankungen gefährdet

Aber auch normale Erwachsene ohne Vorerkrankungen sind gefährdet. Nicht umsonst gibt der Deutsche Wetterdienst deswegen ab einer gefühlten Temperatur von 32 Grad eine Hitzewarnung heraus. Warum ist das so? Unsere biologischen Abläufe funktionieren am besten, wenn die Körpertemperatur bei etwa 37 Grad liegt. Der Körper ist stets bemüht, diese Temperatur möglichst stabil zu halten: "Er ist auf eine Grundtemperatur von 37 Grad eingerichtet und um diese Kerntemperatur zu halten, gehen die Gefäße auf, geht die Haut auch auf, deswegen schwitzen wir vermehrt. Dadurch sinkt der Blutdruck und das führt zu Schwindel, zu Übelkeit auch zu einem vermehrten Durstgefühl, dem man unbedingt nachkommen muss, um auch das Gefäßsystem wieder aufzufüllen", erklärt Dr. Maximiliane Deckart, Chefärztin der Schmerzmedizin in Bad Kissingen.

Das passiert bei Hitze in unserem Körper - ab 37 Grad Celsius wird es kritisch

Stufe 1: Wir schwitzen. Der Schweiß verdunstet an der Hautoberfläche, wodurch die Haut abgekühlt wird. Stufe 2: Die Hautarterien und Blutgefäße weiten sich, um möglichst viel warmes Blut zur Abkühlung an die Hautoberfläche zu leiten - unsere Haut wird rot, der Blutdruck sinkt und wir atmen schneller.

Problematisch wird es, wenn die Außentemperatur genauso hoch oder sogar höher ist als die Körpertemperatur - also ab 37 Grad Celsius. Dann muss der Körper massiv gegensteuern. Wir schwitzen noch mehr und verlieren dadurch wichtige Körperflüssigkeit. Aber wir kühlen eben nicht mehr ab, weil kaum noch Schweiß verdunstet - dazu braucht es natürlichen oder durch Ventilatoren künstlich erzeugten Wind. Auch das an die Hautoberfläche geleitete Blut wird durch die hohe Außentemperatur nicht kälter.

Im Gegenteil: Unsere Körpertemperatur steigt schnell auf fieberähnliche 39 Grad, der Blutdruck sinkt weiter und wir verlieren durch das Schwitzen immer mehr Wasser. Ein Teufelskreis. Nach wenigen Stunden versagt der Kreislauf, unsere Zellen und Organe nehmen Schaden - es droht Todesgefahr. Gleichzeitig schadet die UV-Strahlung der Sonne unserer Haut, dem wichtigsten Organ zur Wärmeregulierung - Hitzschlag und Sonnenstich drohen.

Wer sich trotz Kollaps nicht schont, spielt mit seinem Leben

Extreme Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindelgefühl - all das sind Symptome für einen drohenden Hitzschlag. Wer sich bei hohen Temperaturen zu lange in der Sonne aufhält, bekommt ernsthafte Kreislaufprobleme, denn der Wasserverlust durch das Schwitzen und der schwächer werdende Blutdruck führen zu Durchblutungsstörungen des Gehirns. Wenn unsere Schaltzentrale im Kopf nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, fallen wir in Ohnmacht. Wer sich trotz Kollaps nicht schont, spielt mit seinem Leben: Denn der Kollaps ist die Vorstufe des Hitzschlags, der die Organe teilweise lebensbedrohlich schädigt.

Fast genauso gefährlich ist der Sonnenstich. Dabei heizt sich das Gehirn durch die Sonneneinstrahlung so stark auf, dass das Hirngewebe anschwillt und sich die Hirnhaut entzündet. Was Sie bei Verdacht auf Sonnenstich beachten müssen, zeigen wir Ihnen in unserem Video. (dpa/ija)