Vormarsch der Terrormiliz IS: 100.000 Flüchtlinge in 24 Stunden – Hunderttausende werden folgen

© dpa, Ulas Yunus Tosun

26. September 2014 - 13:55 Uhr

Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und Sicherheitskräften

Wegen des Vormarschs der Terrormiliz IS im Norden Syriens erwarten die Vereinten Nationen einen gewaltigen Flüchtlingsstrom in die Türkei. Allein seit Freitag hätten fast 100.000 vor allem kurdische Flüchtlinge Zuflucht im Nachbarland gesucht, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Hunderttausende weitere Menschen könnten in den kommenden Tagen folgen.

Die Terrormiliz hatte in der Region rund um die Stadt Ain al-Arab zuletzt mehr als 60 Dörfer erobert. Die Türkei hatte ihre Grenze geöffnet, nachdem sich aus Angst vor IS-Massakern Tausende Menschen davor versammelt hatten. Dabei kam es am Sonntag zu Zusammenstößen. Türkische Sicherheitskräfte sollen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Kurden vorgegangen sein. Diese feuerten ihrerseits Feuerwerkskörper.

Im Irak weiten die USA indes ihre Luftangriffe gegen IS-Stellungen aus. Am Sonntag hätten Flugzeuge ein IS-Hauptquartier westlich von Mossul angegriffen, meldete die unabhängige irakische Nachrichtenseite 'Al-Sumaria News'. Die 400 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Stadt ist eine Hochburg der Terrormiliz. Extremisten hatten Mossul Mitte Juni in einem Überraschungsangriff eingenommen und von dort aus weitere Teile des Iraks erobert.

De Maizière will Flüchtlingskontingente für ganz Europa

Angesichts des großen Andrangs von Flüchtlingen infolge der vielen Konflikte in der Welt verlangt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) eine gerechtere Verteilung von Asylbewerbern in Europa. "Es kann nicht sein, dass vier, fünf Länder die größte Anzahl der Flüchtlinge aufnehmen", sagte er dem 'Spiegel'. "Das entspricht nicht der erforderlichen gesamteuropäischen Solidarität, die wir hier dringend benötigen."

De Maizière machte sich deswegen dafür stark, Flüchtlingskontingente auf alle EU-Mitgliedstaaten zu verteilen. "Wenn alle die verabredeten Regeln einhalten, könnten Länder wie Italien, wo überproportional viele Flüchtlinge ankommen, so freiwillig unter der Berücksichtigung der schon erfolgten Aufnahmen und zeitlich befristet entlastet werden."

In einem Schreiben an EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström forderte der Minister demnach als "prioritäre Maßnahmen" eine bessere Überwachung der EU-Außengrenzen und Migrationsströme, eine verstärkte Bekämpfung von Schleuserbanden sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Transit- und Herkunftsstaaten.

Die Aufnahmebereitschaft der Deutschen habe Grenzen, so de Maizière. "Wir können nicht alle Armutsprobleme der Welt in unserem Land lösen. Priorität muss grundsätzlich die Verbesserung der Verhältnisse vor Ort sein, um den Betroffenen eine Perspektive in ihrer Heimat zu geben."