Vorm Besuch in London: Donald Trump zieht über Theresa May her - und lobt ihren Brexit-Rivalen

13. Juli 2018 - 7:03 Uhr

Donald Trump: "Ich habe Theresa May gesagt, wie man das macht, aber sie hat nicht auf mich gehört"

Kurz vor seinem Besuch bei Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat Donald Trump mit einem in der "The Sun" veröffentlichten Interview die Stimmung vergiftet. Zu ihrer Strategie in den Brexit-Verhandlungen mit der EU sagte er: "Ich hätte das ganz anders gemacht. Ich habe Theresa May tatsächlich gesagt, wie man das macht, aber sie hat nicht auf mich gehört."

Donald Trump über Boris Johnson: "Ich sage nur, ich denke, er wäre ein großartiger Premierminister"

Für May ein Stoß vor den Kopf zum schlechtesten Zeitpunkt. Denn erst Anfang der Woche hatte ihr Rivale im Kampf um die richtige Brexit-Strategie seinen Rücktritt aus ihrer Regierung verkündet: Boris Johnson. Für ihn hat Trump Lob in den höchsten Tönen parat. "Ich sage nur, ich denke, er wäre ein großartiger Premierminister", lässt sich Trump im Interview der britischen Zeitung zitieren.

Dass der US-Präsident Theresa May derart in die Parade fährt, schwächt die politisch ohnehin schwer angeschlagene Premierministerin zusätzlich. Erst am Montag waren Brexit-Minister David Davis und Außenminister Boris Johnson im Streit über die Strategie in den Verhandlungen mit Brüssel zurückgetreten. Mays Brexit-Pläne sehen unter anderem eine Freihandelszone und ein Zollabkommen mit der EU vor. Sie ist dringend darauf angewiesen, den Trump-Besuch als Erfolg zu verkaufen. Doch das dürfte nun schwierig werden.

Donald Trump: "Das wird das Abkommen wahrscheinlich töten"

. 12/07/2018. Blenheim Palace, United Kingdom. Theresa May Host President Trump. Protesters outside Blenheim Palace as Britain s Prime Minister Theresa May and her husband Philip, host the President of the United States of America Donald Trump and hi
Briten protestieren vor dem Blenham Palace. Proteste von 100.000 weiteren Trump-Gegnern werden allein in London erwartet.
© imago/i Images, Andrew Parsons / i-Images, imago stock&people

Trump sagte, eine zu enge Bindung an die Europäische Union nach dem Brexit würde dazu führen, dass die USA bei einem Handelsabkommen mit Großbritannien doch wieder mit der EU verhandeln müssten. "Also wird es das Abkommen wahrscheinlich töten", fügte er mit Blick auf einen möglichen Deal Großbritanniens mit den USA hinzu. "Wir haben genug Schwierigkeiten mit der Europäischen Union, wir gehen gerade jetzt gegen die Europäische Union vor, weil sie beim Handel nicht fair mit den Vereinigten Staaten umgegangen sind."

Mit der Aussicht auf Deals wie das Handelsabkommen mit den USA hatte die britische Regierung Brexit-Gegner zu besänftigen versucht. In ihrer Begrüßungsrede äußerte sich May noch enthusiastisch über die "beispiellosen Möglichkeiten" eines solchen Abkommens. Da wusste sie noch nichts von den Gesprächsausschnitten, die das Boulevardblatt "The Sun" kurz nach dem Empfang zum festlichen Gala-Dinner nahe Oxford veröffentlicht hatte.