Vor 20 Jahren lief der Frachter Pallas auf Grund: 220 Tonnen Öl flossen ins Wattenmeer, 16.000 Vögel starben

Wrack der "Pallas" vor Amrum
Wrack der "Pallas" vor Amrum
© dpa, Kay Nietfeld, cu gfh

29. Oktober 2018 - 22:12 Uhr

Naturkatastrophe in der Nordsee

Die Bilder der brennenden Pallas gingen damals um die Welt. Im Oktober 1998 treibt der Frachter führerlos auf die Nordseeinsel Amrum zu. Dabei brennt das mit Holz beladene Schiff lichterloh, Öl tritt aus und droht das Wattenmeer zu verseuchen.

„Der Stahl schrie regelrecht“

Die 147 Meter lange Pallas geriet am 25. Oktober 1998 vor Dänemark in Brand. Nach der Evakuierung trieb das Schiff führerlos durchs Wattenmeer, bevor es am 29. Oktober vor der Nordseeinsel Amrum auf Grund lief. Rund 220 Tonnen Öl liefen in die Nordsee. Verglichen mit anderen Ölunglücken eine geringe Menge, doch für den ökologisch relevanten Nationalpark Wattenmeer verheerend: Das Öl brachte etwa 16.000 Vögel um. Die Insulaner bangen um ihr Ansehen bei den Touristen.

Johannes Oelerich war damals Einsatzleiter für die Bekämpfung des Ölschadens - eine Aufgabe, die er nie vergessen wird: "Wir hatten stürmische Verhältnisse, wir hatten Seegang, wir hatten Regen, der horizontal der Luft trieb, und wir näherten uns dem Frack, es bewegte sich in der See, der Stahl schrie regelrecht."

„Bis heute prägen die Bilder der sterbenden Vögel“

Feuerwehrleute untersuchten am 12. November 1998 an Bord des havarierten Frachters "Pallas" vor der Nordseeinsel Amrum den Schwelbrand unter Deck.
Feuerwehrleute untersuchten am 12. November 1998 an Bord des havarierten Frachters "Pallas" vor der Nordseeinsel Amrum den Schwelbrand unter Deck.
© deutsche presse agentur

"Bis heute prägen die Bilder der sterbenden Vögel und des brennenden Frachters das kollektive Gedächtnis der an der Küste lebenden Menschen", äußerte sich der schleswig-holsteinische Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) zur damaligen Katastrophe in der Nordsee am Montag in Husum.

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Folgen des Unglücks

Noch heute, 20 Jahre später, ist unklar, wie es damals zu dem Brand kommen konnte. Zuständigkeitsstreitereien unter den Behörden verzögerten die Rettung. Es dauerte mehrere Wochen, das Schiff zu löschen. Als Lehre aus dieser Katastrophe wurde 2003 das Havariekommando in Cuxhaven gegründet. Das Kommando ist eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der norddeutschen Küstenländer. Die Bekämpfung von Öl- und Schadstoffunfällen an der deutschen Küste wurde neu organisiert und bessere Sicherheitskonzepte erarbeitet. "Wir sind auf den Ernstfall vorbereitet", so Albrecht. Die Schadstoff-Unfallbekämpfung zum Schutz der Meere und Küsten sei seit der Pallas-Havarie umfangreich umgebaut und weiterentwickelt worden.