Berliner Polizei fahndet nach Killer

Vor 2 Wochen aus Psycho-Klinik geflohen: Wie konnte Totschläger Hendrik S. entkommen?

5. April 2019 - 8:26 Uhr

Beim 11. Ausgang flüchtete Hendrik S. aus der Nervenklinik

Warum wurde der Bevölkerung nicht früher gesagt, dass ein Totschläger aus einer Berliner Nervenklinik ausgebrochen ist? Diese Frage muss sich gerade die Berliner Polizei stellen lassen. Hendrik S. ist seit zwei Wochen auf der Flucht. Er hatte 2006 einen wildfremden Mann auf der Straße erstochen und war seitdem in einer Psycho-Klinik untergebracht. Bei einem Ausgang am 14. März haute er einfach ab.

Hendrik S. flüchtete trotz Begleitung

Hendrik S. hat Wahnvorstellungen, der 34-Jährige gilt als psychisch unberechenbar. Seit fast zwölf Jahren wird der verurteilte Totschläger deshalb in einer Berliner Nervenklinik behandelt. Bis er bei einem Freigang am 14. März flüchtete. "Seit einem halben Jahr bekommt er überhaupt Ausgang in der eingeschränktesten Form, das heißt ein Pfleger muss immer dabei sein. Die bisherigen zehn Ausgänge verliefen beanstandungslos. Den elften nutzte er zur Flucht", sagt RTL-Reporter Martin to Roxel.

Wie er trotz Begleitung flüchten konnte, ist bislang unklar. Strafrechtler Daniel Peter erklärt das gegenüber RTL wie folgt: "Ein Pfleger ist keine Sicherheitsperson, hat keine Waffen dabei. Es ist für eine Pfleger sehr schwer in so einer Situation, den Straftäter aufzuhalten, er kann lediglich die Polizei verständigen." Dass er überhaupt Ausgang bekam, war allerdings zwischen Klinik und Staatswaltschaft abgesprochen und entspricht dem Gesetz.

Problematisch: Hendrik S. Medikamente verlieren ihre Wirkung

2006 hatte der damals 22-Jährige einen völlig Fremden nach einem Anrempeln aus dem Nichts  mit zwei Stichen ins Herz getötet. Vor Gericht sagte er: "Weil die Menschen boshaft sind, nehme ich immer ein Messer mit. Er rempelte mich auf der Straße an. Ich kriegte Paranoia. Schon war es von allein passiert."

Trotzdem hatte die Polizei lange ohne die Öffentlichkeit gefahndet. Erst am Freitag, zwei Wochen nach der Flucht veröffentlichte sie sein Foto. "Die Polizei wollte sich uns gegenüber nicht äußern. Sie hatte zunächst einmal für den Schutz der Persönlichkeitsrechte von einer Öffentlichkeitsfahndung abgesehen", sagt to Roxel.

Die Polizei befürchtet sogar, er könnte ein Messer dabei haben. Außerdem nimmt er wegen seiner Wahnvorstellungen sogenannte Depot-Medikamente. Diese geben ihre Wirkung über mehrere Tage ab. Wie lange die Wirkung anhält, kann aber niemand sagen. 

Polizei hat rund 70 Hinweise erhalten

​Mittlerweile sind rund 70 Hinweise eingegangen. Die Polizei fahndet weiter. Hendrik Jonas S. ist circa 180 cm groß und übergewichtig. Er trägt langes, dunkelblondes Haar in einem Pferdeschwanz und einen dunkelblonden Vollbart. Als er flüchtete, trug er eine schwarze Bomberjacke, eine schwarze Jogginghose und festes Schuhwerk und hatten einen dunkelblauen Rucksack dabei. Außerdem ist er Raucher. Nähern sollten sie sich ihm auf keinen Fall.

Hinweise nimmt das Landeskriminalamt Berlin in der Gothaer Str. 19 in 10823 Berlin-Schöneberg unter der Rufnummer (030) 4664-97 33 05, per E-Mail fahndung@polizei.berlin.de oder an jeder anderen Polizeidienststelle entgegen.