Von wegen Titel: Schalke konzeptlos ins triste Mittelmaß

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14. Oktober 2013 - 13:50 Uhr

Ein Spitzentrio im Gleichschritt, Torjäger mit Zielwasser und schon drei Trainer-Rauswürfe - die ersten acht Spieltage der 51. Bundesliga-Saison waren reich an Geschichten. Die sport.de-Redaktion zieht eine erste Bilanz und nimmt die 18 Vereine genauer unter die Lupe.

Vor der Saison hoch gehandelt, mit Beginn der Spielzeit tief gefallen: Beim FC Schalke 04 läuft in dieser Runde noch nicht viel zusammen. Galten die 'Knappen' bei einigen Experten sogar als Geheimfavorit auf den Titel, dümpelt die Truppe von Coach Jens Keller nur im tristen Mittelfeld der Bundesliga herum. Das liegt nicht nur am Verletzungspech, sondern auch an der falschen Einstellung - und damit am Trainer.

Die Analyse von Julian Draxler nach dem letzten Spiel vor der Länderspielpause gegen Augsburg (4:1) erklärt eigentlich den kompletten Saisonstart von 'Königsblau'. Der Youngster erkannte "unser altes Problem, dass wir am Anfang mit dem Kopf noch nicht auf dem Platz sind" - was Fußball-Profis nicht passieren sollte, den Schalkern aber immer wieder passiert. Gegen Hamburg (3:3) früh in Rückstand, in Wolfsburg (0:4) kassierte S04 drei, in Hannover (1:2) zwei Gegentreffer nach Standardsituationen.

Was Schalke in den ersten Wochen der Saison zeigte, war schlichtweg nicht bundesligareif. Es fehlte nicht nur an der Abstimmung in allen Mannschaftsteilen, auch die Einstellung ließ zu wünschen übrig. Die Defensive glich einem undisziplinierten Hühnerhaufen, Leistungsträger wie Draxler, Jefferson Farfan oder Benedikt Höwedes waren neben der Spur. Dass Tor-Garant Klaas-Jan Huntelaar (Innenbandabriss) und auch Kyriakos Papadopulos (Knie-OP) verletzt fehlten, war spürbar, darf eine Spitzenmannschaft, wie sich Schalke selbst sieht, aber nicht dermaßen aus der Bahn bringen.

Heldt: Pause kommt "zur rechten Zeit"

Mit der Verpflichtung von Kevin-Prince Boateng schien ein Ruck durch den Verein zu gehen, doch nach Siegen gegen Leverkusen (2:0) und in Mainz (1:0) war die Aufbruchstimmung schnell dahin. Es wirkte unfreiwillig komisch, wie Keller jedes Mal aufs Neue versuchte, die Leistungen schön zu reden. "Man darf nicht vergessen, dass wir in 20 Tagen sieben Spiele und nicht mehr so viele Möglichkeiten hatten, frische Spieler zu bringen", sagte der Trainer nach dem Sieg gegen Augsburg.

Dank des Dreiers gegen die Schwaben und einer noch makellosen Bilanz in der Champions League ist die 'königsblaue' Welt zumindest wieder halbwegs in Ordnung. Das Problem ist, dass die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei fast keinem anderen Verein so weit auseinanderklafft wie bei den 'Knappen'. Dass die Fans unzufrieden sind, ist nicht nur der Erfolgslosigkeit zuzuschreiben, der Fußball, der geboten wird, ist teilweise einfach schlecht.

Deshalb muss sich Keller die Frage gefallen lassen, ob sein Konzept greift. Sicherlich war er wegen Verletzungen immer wieder gezwungen, die Mannschaft umzubauen, eine Handschrift ist aber nicht zu erkennen. Gerade wenn Schalke das Spiel machen muss, fehlen die Ideen. Woraus der Tabellen-Achte letztendlich seinen Optimismus für den weiteren Saisonverlauf ableitet, ist die aufsteigende Formkurve und die Hoffnung, dass mit der Rückkehr der Dauerverletzten endlich Kontinuität rein kommt. Weil das aber noch dauern wird, ist wohl nicht nur Manager Horst Heldt der Meinung, dass die Länderspielpause "für uns zur rechten Zeit kommt".