Von wegen Bildungsrepublik: In Deutschland fehlen 40.000 Lehrer – sind Quereinsteiger die Lösung?

21. August 2018 - 14:22 Uhr

Schlimmster Lehrermangel seit drei Jahrzehnten

In den meisten Bundesländern hat die Schule bereits wieder angefangen. Doch eine Rückkehr zum normalen Schulalltag ist für viele Kinder nicht in Sicht. Denn die Unterrichtsausfälle häufen sich. In Deutschland herrscht akuter Lehrermangel. So schlimm war es laut des Deutschen Lehrerverbandes seit 30 Jahren nicht mehr.

Quereinsteiger bekommen nur den "Pädagogik-Crashkurs"

ARCHIV - 05.02.2018, Bayern, Deggendorf: Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf.   (zu dpa «Lehrerpräsident sieht Tablets an Grundschulen mit Skepsis» vom 07.05.2018) Fo
Heinz-Peter Meidinger
© dpa, Armin Weigel, awe sja fuw

Viele Bundesländer wissen sich nur noch mit Quereinsteigern zu helfen. Diese haben zwar keine Lehrerausbildung, sind aber fachlich gut qualifiziert. Wie man Kindern etwas beibringt, einen bunten und interessanten Unterricht gestaltet, das wissen sie nicht. Pädagogik soll im Crashkurs erlernt werden. In Berlin sind circa 70 Prozent der neu eingestellten Grundschullehrer*innen keine ausgebildeten Pädagogen, sondern Quereinsteiger. Ist das die Grundlage für ein gutes Lernumfeld? Erreicht alle Kinder so die Bildung, die sie verdienen?

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, meint nein. In Bundesländern wie Berlin und Sachsen müsse man von einem Bildungsnotstand sprechen, sagte er der "Passauer Neuen Presse". In ganz Deutschland seien 10.000 Stellen nicht besetzt, gerade im Grund- und Förderschulbereich fehle es an allen Ecken. 30.000 weitere Stellen seien nur notdürftig besetzt, entweder mit Seiteneinsteigern, Studenten oder sogar pensionierten Lehrern. "Wenn ich die nicht hätte, könnte ich die Schule schließen.", sagt auch Kerstin Daniel, Schulleiterin einer Oberschule in Chemnitz.

Die Politik hat es verpasst, den Lehrerberuf attraktiver zu machen

Doch wer hat Schuld an dem Drama? Wenn es nach dem Deutschen Lehrerverband geht, ganz klar die Politik. "Da ist in fast allen Bundesländern die Entwicklung verschlafen und seit Jahren nicht auf den Geburtenanstieg reagiert worden", kritisiert Heinz-Peter Meidinger in der "Passauer Neuen Presse". Zudem seien immer mehr Lehramtsstudienplätze abgebaut worden. Auch wenn die Politik langsam aufwacht und mehr Studienplätze geschaffen werden – die nächsten zwei bis drei Jahre bringt das den Schülern nichts. Es wird auch wenig dafür getan, den Lehrerberuf an sich attraktiver zu gestalten. Viele Lehrer*innen klagen über Dauerstress; ein Burnout ist keine Seltenheit. Auch sind viele von ihnen nur befristet angestellt, von Schulferien zu Schulferien. Die Bezahlung lässt zu wünschen übrig und unterscheidet sich außerdem innerhalb der Schulformen stark. Die vor zehn Jahren prophezeite "Bildungsrepublik Deutschland" wird so ganz sicher nichts.