Von Ungarn nach Rheinland-Pfalz: Neuer Landesrabbiner

08. Dezember 2021 - 6:30 Uhr

Mainz (dpa/lrs) - Rheinland-Pfalz hat einen Landesrabbiner bekommen. David Schwezoff stellt sich in den Dienst der jüdischen Gemeinden und ist Ansprechpartner für Politik und andere religiöse Gemeinschaften. Der Vorsitzende des Landesverbands der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Avadislav Avadiev, spricht von "einer großen Bereicherung". Das Amt eines Landesrabbiners hat es zuvor in dem Bundesland nicht gegeben.

Rheinland-Pfalz ist Heimat der sogenannten Schum-Stätten Mainz, Worms und Speyer. Diese Orte des jüdischen Mittelalters gehören zum Unesco-Welterbe. Der neue Landesrabbiner Schwezoff (42) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit: "Mit Freude stelle ich fest, dass dieses Erbe für das Selbstverständnis unseres gesamten Bundeslandes und auch für Nichtjuden von entscheidender Bedeutung ist." Er wolle zur Erhaltung der Schum-Stätten für kommende Generationen beitragen.

Es sei eine große Ehre, "in unserem Bundesland an einem friedlichen Zusammenleben mitzuwirken". Dazu gehöre auch, "dass wir uns immer wieder gemeinsam an die zerstörerischen Kräfte und Taten des Nationalsozialismus erinnern und letztendlich sicherstellen, dass in unserer Heimat niemand wieder Hass erfahren muss". Schwezoff fügt hinzu: "In den letzten zehn Jahren nimmt der Antisemitismus leider in den meisten Teilen Europas und auch in Deutschland immer weiter zu."

Es gehe darum, "unsere Gemeinden weiter aufzubauen, zu pflegen und für alle Menschen, auch über unsere Gemeindemauern hinaus, einzutreten". Er wolle Rheinland-Pfalz im Bestreben unterstützen, "dass unsere Gesellschaft als eine glückliche und freundliche Gesellschaft erhalten bleibt und unser Alltag auf gegenseitigem Respekt und Liebe basiert".

Schwezoffs Familie stammt teils aus Russland und Deutschland. "Aber aufgewachsen bin ich in Ungarn", berichtet der Landesrabbiner. Er habe neben dem Studium der jüdischen Theologie auch Bildungsausflüge beispielsweise zu den Themen Wirtschaft, Finanzen und internationale Beziehungen gemacht sowie eine Lehramtsausbildung absolviert. Schwezoff ergänzt, dass er in seinen "Zwanzigern einige Theater- und Showbiz-Aktivitäten verfolgte, die ich einige Jahre später für meinen persönlichen Lebensweg nicht mehr als zu mir passend empfunden habe".

Geblieben sei seine Liebe zur Musik: "Während meiner Schulzeit wurde ich auch am Klavier, der Orgel und im Gesang ausgebildet." Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, hat kürzlich mit Blick auf Schwezoff erklärt: "Glaube, Gottesbeziehung und Musik gehören in der jüdischen wie in der christlichen Religion zusammen."

Der Landesverband in Rheinland-Pfalz vertritt die fünf jüdischen Gemeinden Bad Kreuznach und Birkenfeld, Mainz, Rheinpfalz, Koblenz und Trier. Er zählt rund 3000 Mitglieder und ist Teil des Zentralrats der Juden in Deutschland.

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Quelle: DPA