Wegen Corona

Polizeigewerkschaft fordert Absage von Castortransport

Zwischenlager für Atommüll
© dpa, Uli Deck, hgr mut pzi lof bwe

16. Oktober 2020 - 7:01 Uhr

GdP: "Dafür gibt es keinen zwingenden Grund"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert, den geplanten Castortransport vom britischen Sellafield nach Biblis abzusagen. Nach der Wiederaufbereitung soll der Atommüll in Südhessen zwischengelagert werden. Doch die Polizei fürchtet, den Transport unter Corona-Auflagen nicht begleiten zu können und fordert eine Absage.

Passt für die GdP nicht zusammen: Corona-Auflagen und Castortransport

"Wenn nun von der Polizei erwartet wird, dass sie die Corona-Auflagen und den Gesundheitsschutz stärker durchsetzen soll, dann ist es aus unserer Sicht nicht vereinbar, dass Anfang November ein Nukleartransport von der Polizei quer durch Deutschland begleitet werden soll", sagte GdP-Vize Jörg Radek. "Dafür gibt es keinen zwingenden Grund." Polizeikräfte, die dann zur Sicherung des Castortransportes im Einsatz wären, könne man nicht zeitgleich für den Infektionsschutz abstellen, sagte der GdP-Vize.

Transport wurde im März 2020 auf unbestimmte Zeit verschoben

Der Nuklearkomplex Sellafield in Nordwestengland.
Der Nuklearkomplex Sellafield in Nordwestengland.
© REUTERS, DAVID MOIR

Neben den Ordnungsämtern hilft auch die Polizei bei der Durchsetzung der Corona-Regeln. Bund und Länder wollen nach ihrem Beschluss vom Mittwoch zudem die Bundespolizei beim Gesundheitsschutz einsetzen.

Der Transport der sechs Behälter mit hoch-radioaktivem Müll aus dem britischen Sellafield war zunächst für das Frühjahr geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde er im März aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Bundesinnenministerium hielt den notwendigen Polizeieinsatz nicht für verantwortbar. Atomkraftgegner rechnen damit, dass der Transport etwa Anfang November im Hafen im niedersächsischen Nordenham ankommen wird.

Gesundheitsschutz müsse Priorität haben

Mehrere hundert Atomkraftgegner sitzen am Sonntag (07.11.2010) im niedersächsischen Harlingen während einer Gleisbesetzung als Protest gegen den Castor-Transport und sind von Polizeibeamten umringt. Der zwölfte Atommülltransport aus der französischen
Atomkraftgegner während einer Gleisbesetzung im niedersächsischen Harlingen (2010).
© dpa, Jochen Lübke

Bei vergangenen Castortransporten waren Tausende Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet im Einsatz. Radek erwartet, das dies auch beim nächsten Transport wieder der Fall wäre. Er forderte eine Absage und betonte, der Gesundheitsschutz müsse Priorität haben - schließlich seien auch Polizistinnen und Polizisten von Ansteckung bedroht.

Wann genau die Castoren nach Südhessen gebracht werden sollen, ist nicht bekannt. Die beauftragte Gesellschaft für Nuklear-Service hatte Ende September mitgeteilt, die Vorbereitungen für den Transport aus Großbritannien seien wiederaufgenommen worden. Die Transportgenehmigung für die Castoren gilt nach Angaben einer Sprecherin des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung bis 31. Dezember 2020. Das Amt ist dem Bundesumweltministerium unterstellt.

Quelle: dpa/RTL.de