Von Satire zum Verbalmüll: YouTuber 'Julien' will streikende Lokführer vergasen

YouTuber 'Julien' steht für sein Video zum Bahnstreik der GLD in der Kritik.
YouTuber 'Julien' steht für sein Video zum Bahnstreik der GLD in der Kritik.

21. Mai 2015 - 8:13 Uhr

Ein Kommentar von Yasmin Janclaes

Einmal mehr rief die GDL zum Streik auf und legte Deutschlands Schienenverkehr lahm – kein Wunder, dass sich bei Betroffenen Frust und Ärger anstauen. Witze, Hasstiraden und Beschimpfungen gegen Claus Weselsky und die Deutsche Bahn sind im Netz zu Streikzeiten an der Tagesordnung. Doch es gibt auch extreme Auswüchse: So wie YouTuber 'Julien'. "Vergasen sollte man diese Mistviecher", sagte er über die streikenden Lokführer. Das ist keine Satire – sondern Verbalmüll.

In dem Video "GDL (Bahnstreik)" auf seinem Kanal Juliensblog beschimpft 'Julien' die Streikenden durchgehend als "Hurensöhne" und "Bastarde". Sprachlich ist das Video schon eine Tortur, doch obendrein mangelt es an Fakten entgegen der unendlichen Beschimpfungen. Mit penetrant gleichbleibendem Predigerton rezitiert 'Julien' aus dem Streikaufruf der GDL, kritisiert die "austauschbaren Nullnummern" (gemeint die Lokführer) dafür, dass sie geringere Arbeitszeiten fordern, obwohl sie eigentlich nur Knöpfe drücken würden. Bilder von Zügen aus der NS-Zeit werden eingespielt und der Blogger fordert: "Wisst ihr noch wie die Juden mit Zügen nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dahin bringen. Ich fahr auch den Zug und zwar umsonst – und werde nicht einmal streiken."

Als Gipfel der Geschmacklosigkeit bewirbt der YouTuber auf Facebook auch ein T-Shirt mit der Aufschrift "Bring dich um" – es zeigt ein Männchen, das sich vor einen Zug wirft. Er kommentiert: "Schade… SO wird sich in den nächsten Tagen wohl niemand umbringen…" – dahinter ein Smiley.

'Julien' könnte eine Anzeige drohen

Mit 1,2 Millionen Abonnenten gehört Juliensblog zu den erfolgreichsten deutschen YouTube-Kanälen. Seine Videos zeichnen sich durch beleidigende und diskriminierende Kommentare aus. In Userkommentaren scheint sein Image zwischen verachtenswert und Genie zu schwanken. Doch trotz einiger Zustimmung und an die 38.000 gehobener Daumen, die das Video auf YouTube erhalten hat – der YouTuber scheint sowohl medial, als auch bei seinem Publikum auf massive Kritik zu stoßen. "Seit wann gilt es als Kunst, andere zu beleidigen und ihnen einen grausamen Tod zu wünschen?", schreibt etwa ein User. "Bisher habe ich Julien als Youtube-Produzenten sein Ding machen lassen, aber mit Satire kann man nicht alles rechtfertigen und irgendwann ist eine Grenze erreicht."

Neben einigen vergraulten Abonnenten könnte das Video für 'Julien' nun aber auch rechtliche Folgen nach sich ziehen, denn mit seinen Aussagen könnte der Blogger Gesetze gegen Volksverhetzung und Holocaustverherrlichung gebrochen haben. Empörte User meldeten sich über Twitter bei der Polizei München, wie der 'Tagesspiegel' berichtet. Die Beamten antworteten: "Wir haben den Hinweis an das bei uns zuständige Fachkommissariat weitergeleitet." Ob eine Ermittlung eingeleitet wird steht noch nicht fest.

'Julien' selbst hat sich gegenüber der Berliner Morgenpost zu seinem zweifelhaften Werk geäußert: "Es ging eigentlich nur um die Korrelation zwischen den Zügen von damals und den Zügen von heute und das die Zugführer von heute zu Zugpassagieren von damals gemacht werden", heißt es dort. "Die 'Pointe' in der es heißt, dass ich umsonst den Zug fahren würde OHNE zu streiken ist der Hauptgrund für das extreme Beispiel. Das soll schwarzer Humor sein." Wie schmal ist der Grat zwischen schwarzem Humor und menschenverachtenden Tiraden, die zu Hass und Gewalt animieren? Man könnte auch sagen: Das ist keine Kunst – das kann weg.