Kampf um die wertvollsten Abfälle

Von Hungersnot bedroht: Das sind die Müll-Kinder von Syrien

11. September 2020 - 13:43 Uhr

Der Kugelhagel in Syrien will kein Ende nehmen

Der mörderische Krieg in Syrien hat bereits mehr als 400.000 Menschen das Leben gekostet, eine breite Flüchtlingsbewegung erreichte Europa. Doch wie geht es heute denen, die blieben? Die Antwort ist ernüchternd: Rund neun Millionen Syrer haben nicht genug zu essen, mehr als 80 Prozent der Menschen in Syrien leben in Armut. Wie sich zahlreiche Kinder auf den Müllhalden der Stadt Idlib tummeln, um trotzdem irgendwie über die Runden und an Nahrung zu kommen, zeigen wir im Video.

Kinder verdienen den Familienunterhalt auf der Mülldeponie

Kinder warten in Idlib auf neuen Müll
Sehnsüchtig erwarten die Kinder neuen Müll, aus dem sie Reste zusammensuchen
© RTL

Mit ihren bloßen Händen und Handrechen aus Metall kratzen die Müll-Kinder wertvolle Reste aus dem Abfall zusammen. Die Region Idlib im Norden Syriens ist das letzte große Gebiet des Landes, in dem syrische Rebellengruppen an der Macht sind. Unter den Millionen Menschen, die hier auf Hilfe angewiesen sind, befindet sich auch Ziad Rahal. Der junge Müllsammler verdient auf der Mülldeponie den Lebensunterhalt der Familie: "Meine Geschwister sind noch klein und meine Mutter kann nicht arbeiten. ich arbeite hier, damit wir Brot kaufen können."

Selbst bei 38 Grad und drückender Hitze durchwühlt er den Abfall auf der Müllkippe routiniert nach brauchbaren Gegenständen. Ziad ist täglich vor Ort. Seine Mutter weiß, dass sie ihr Leben anders nicht finanzieren kann: "Ich schicke mein Kind auf die Müllhalde, damit es umgerechnet 70 bis 80 Cent verdient - für unsere Ausgaben für seine Geschwister. Ich habe sonst niemanden, der mir hilft und bin krank." Die Familie lebt zwischen notdürftig zusammengebauten Betonklötzen in einem Flüchtlingscamp.

Jung und Alt ringen in Idlib um den besten Müll

Ziad Rahal auf der Müllkippe,
Ziad Rahal ist täglich auf der Müllkippe, egal bei welchem Wetter
© RTL

Ziads Kinderarbeit ist nicht nur ein schmutziger, unwürdiger Job für ein Kind – die Tätigkeit ist auch gefährlich: Die meisten Schätze bringen die Transporter, die neue Müllsäcke anliefern, und schon beim Abladen der Laster können Berge von Abfall auf den kleinen Jungen fallen.

Rücksicht auf die Kleinen gibt es bei dem umkämpften Gut nicht: Auch Erwachsene kommen jeden Tag – und kämpfen mit den Kindern um die wertvollsten Reste, die sich verkaufen oder essen lassen.

Keine Aussicht auf Jobs, Schule und Grundversorgung

Familienvater Bilal Zanoub
Familienvater Bilal Zanoub will seine Heimat nicht verlassen - trotz der Bedrohung
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Besonders traurig: Die Kinder kennen nichts anderes als Krieg in ihrem Land. Denn der geht inzwischen fast zehn Jahre. Syriens Machthaber Assad lässt die Region Idlib noch immer bombardieren. Mitten im Kugelhagel befinden sich die Zivilisten. Familienvater Bilal Zanoub war fünf Monate in einem Flüchtlingscamp, wollte einfach wieder zurück in seine Heimat, zurück in das völlig zerstörte Zuhause. Trotz der drohenden Einschläge.

"Die Angriffe sind ein bis drei Kilometer vom Haus weg. Hier gibt es überall Bomben und Luftschläge. Wenn die Luftangriffe kommen, wackelt das Haus." An Grundversorgung, Schulbesuch oder reguläre Arbeit ist noch lange nicht zu denken. Mehr als die Hälfte der Einwohner Syriens sind aktuell arbeitslos. Ein Ende ist nicht in Sicht.