Von Dortmund bis Schalke: Auf geht's, Bayern jagen!

05. Oktober 2014 - 20:59 Uhr

Die Bayern werden nicht Meister - so viel ist vor der neuen Bundesliga-Saison schon einmal sicher. Weil uns die Statistik lehrt, dass die Münchner ihren Titel praktisch gar nicht verteidigen können, bringt sich die Konkurrenz in Stellung. Der BVB muckt mächtig auf, 'Vizekusen' will sich abschaffen, die 'Wölfe' brüllen schon und selbst die 'Knappen' rüsten sich für den Meisterschaftskampf.

Pep Guardiola, FC Bayern München
Befürchtet einen zähen Start seiner Bayern: Trainer Pep Guardiola.
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Sollten sie Bayern-Fan und gleichzeitig ein Freund von Statistiken sein, lesen sie bitte nicht weiter. Wir müssen allen Anhängern, die gerne Lederhosen tragen und von der Unschuld Uli Hoeneß' immer noch überzeugt sind, leider sagen, dass es mit der Meisterschaft diese Saison nichts wird. Der Grund: Deutschland ist Weltmeister, was für die Münchner kein gutes Omen ist. Immer wenn die DFB-Elf den WM-Pokal holte, konnten vom Rathausbalkon in der bayrischen Landeshauptstadt nicht die üblichen Liedchen über den ruhmreichen FC Bayern, der mal wieder Meister ist, geträllert werden.

In der Runde 1974/75 wurden die Bayern nur Zehnter, nach dem WM-Triumph 1990 nur Vizemeister. Auch die jüngere Vergangenheit spricht dafür, dass die Münchner Dominanz nach zwei grandiosen Spielzeiten vorbei ist. Nach der WM-Endrunde 206 holte der VfB Stuttgart den Titel, vier Jahre ließ Borussia Dortmund die Bayern hinter sich. "Ich bin sicher, wir werden bis zur Winterpause ein bisschen Probleme haben", meint Pep Guardiola, der nicht nur die WM-Fahrer schnell wieder in Form bringen muss, sondern auch einige Verletzte zu beklagen hat. Bastian Schweinsteiger (Reizung der Patellasehne) fällt genauso noch wochenlang aus wie Javi Martinez (Kreuzbandriss) und Thiago (Innenbandriss im Knie).

Und so wittern die Konkurrenten ihre Chance, mal wieder Meister zu werden. "Das wird ein ganz spannendes Bundesliga-Jahr", verspricht BVB-Trainer Jürgen Klopp, dessen Bosse ordentlich Geld in die Hand genommen haben, um vorne mitmischen zu können. Für Ciro Immobile, Adrian Ramos und Matthias Ginter sowie dem Rückkauf von Nuri Sahin investierten die Schwarz-Gelben rund 45 Millionen Euro. Der BVB ist dadurch nicht nur breiter aufgestellt, sondern auch im taktischen System flexibler als vergangene Saison, als das Spiel auf Robert Lewandowski zugeschnitten war.

Nun gut, der Pole hat in den letzten zwei Jahren für Dortmund 44 Bundesliga-Tore geschossen und trägt jetzt das Trikot der Bayern, aber davon lässt sich die Klopp-Elf doch nicht ins Bockshorn jagen. Der Triumph im Supercup hat gezeigt, dass die Borussia an guten Tagen mindestens auf Augenhöhe mit den Münchnern ist. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sieht das zumindest laut eigener Aussagen anders. "Zu sagen, wir wollen Meister werden, wäre unrealistisch. Jeder weiß, dass es in Deutschland einen Club gibt, der viel mehr Geld in seine Mannschaft stecken kann. Also ist der auch der Favorit", erklärte Watzke jüngst im n-tv-Interview, nachdem er schon vorher einen Blick in den Rückspiegel empfohlen hatte: "Wir müssen auch schauen, was hinter uns los ist. Die Werksclubs und auch Schalke 04 drücken ziemlich."

Trotz Pokal-Schmach: Schalke bläst zum Angriff

Hakan Calhanoglu
Neuzugang Hakan Calhanoglu soll Bayer Leverkusen zur ersten Meisterschaft führen.
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Wenn der 'Aki' das sagt, muss da was dran sein, also ein Schwenk nach Leverkusen: Bayer 04, immer irgendwie vorne mit dabei, um am Ende mit leeren Händen dazustehen, steht "fast auf Augenhöhe mit Bayern München" - sagt jedenfalls Hakan Calhanoglu. Der mit 14,5 Millionen teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte lässt Leverkusen von den beachtlichen Zeiten träumen, als die 'Werkself' den Bayern um ein Haar in die Suppe gespuckt hätte. Was dann kam, war Unterhaching, ein Eigentor von Michael Ballack und der immer noch anhaftende Mythos von 'Vizekusen'.

Dass es Bayer in dieser Saison schafft, seinen Beinamen in die Analen zu verbannen, davon gehen nicht nur Fachleute, sondern auch die Verantwortlichen aus. "Die Spieler sollen ruhig Träume haben und sie artikulieren", so Roger Schmidt. Der Trainer, der in die Fußstapfen von Sami Hyypiä tritt, steht für Erfolg. Mit Red Bull Salzburg gewann er in den letzten drei Jahren zwei Mal die Meisterschaft. Freunde der Statistik, es riecht förmlich nach einer Leverkusener Meisterschaft!

Falls es nichts werden sollte, wäre da noch ein anderer Werksclub, der den Bayern gefährlich werden könnte. Der VfL Wolfsburg war den Münchnern schon in der Spielzeit 2008/2009 in die Parade gefahren und hatte sensationell den Titel gewonnen. "Wir müssen uns ja auch nicht kleiner machen, als wir sind", sagt deshalb auch Trainer Dieter Hecking vor dem Bundesliga-Auftakt, bei dem es sofort zum Duell nach München geht.

Dort wohl noch nicht dabei ist Neuzugang Nicklas Bendtner, der seinen Trainingsrückstand aufholen muss, bevor er den VfL mit seinen Toren nach vorne schießen soll. Weil sich der Verein darüber hinaus mit Sebastian Jung, Aaron Hunt und Josuha Guilavogui verstärkt hat, könnte Wolfsburg im Titelkampf ein Wörtchen mitreden, urteilen die Experten. Während seine 'Wölfe' ambitionierte Ziele rausbrüllen, fährt Hecking die Erwartungen herunter: "Bayern München ist im Vergleich zu den anderen Mannschaften eine Stufe höher."

Das sehen eigentlich auch die Verantwortlichen auf Schalke so, zum Angriff wird aber trotzdem geblasen. "Dieses oder nächstes Jahr greifen wir ganz oben an, Schalke wird wieder Titel holen. Und da wird auch irgendwann die Meisterschaft dabei sein", prophezeit S04-Boss Clemens Tönnies, der ganz vergessen zu haben scheint, dass sich der Revierclub im DFB-Pokal bei Drittligist Dynamo Dresden bis auf die Knochen blamierte.

Bis dahin waren die Schalker immer in der Verlosung gewesen, wenn es darum ging, die Bayern-Verfolger zu benennen. Mit Sidney Sam und Eric Maxim Choupo-Moting will sich die Truppe von Trainer Jens Keller "punktuell verstärkt haben" (Manager Horst Heldt), dazu habe man mit Spielern wie Benedikt Höwedes, Kevin-Prince Boateng, Klaas-Jan Huntelaar, Max Meyer oder Julian Draxler genau die richtige Mischung aus erfahrenen und hungrigen Kickern, um den ersten Meistertitel seit 57 Jahren zu feiern. "Wenn jemand anderes Meister wird, dann müssen wir einfach dran sein", sagt Tönnies: "So etwas wie 2007, als Stuttgart den Titel holte, oder 2009, wo Wolfsburg Meister wurde, dürfen wir nicht mehr verpassen." In diesem Sinne, auf zur Bayern-Jagd!

Daniel Grochow